An sich hätte ich hinter den Titel ein Fragezeichen setzen können, denn der Schweizerische Bankenombudsman, der sich den Fall ebenfalls angeschaut hat, kommt zu einer anderen Schlussfolgerung. Da gehe ich mit ihm aber nicht einig.

Maximilian Reimann

Der Ombudsman neigt zur Ansicht, die Bank hätte im Rahmen ihres sog. Vermögensverwaltungsvertrages (VV) gegenüber dem Kunden korrekt gehandelt und dessen Interessen pflichtgemäss wahrgenommen. Meines Erachtens hat die Bank auf dem Buckel des Kunden jedoch viel mehr ihre eigenen Interessen gepflegt. Zu wünschen ist, dass letztlich ein unabhängiger Richter den Fall beurteilen wird. Das aber kostet zunächst einmal Zeit, Geld und Nerven!

Courtagenjägerei und 210‘000 Franken Verlust

Beim Kunden handelt es sich um einen betagten Mann, der sich mit zunehmendem Alter nicht mehr in der Lage sah, sein Vermögen selber zu verwalten. Deshalb beauftragte er die Kantonalbank am Ort seiner neuen Altersresidenz mit der integralen Verwaltung seines Depotvermögens. Als er 85-jährig eine Hirnstreifung erlitt, gelang es ihm noch, seinem Bruder, einem früheren Kantonspolizisten, eine Generalvollmacht über seine Vermögensverhältnisse zu erteilen. Als sich dieser – nach mühsamer Analyse der letzten drei Depotjahre - eine Übersicht über die Entwicklung des Vermögens verschafft hatte, traute er seinen Augen nicht. Von anfangs 2010 bis Ende 2012 nahm das Vermögen von 2,275 auf 2,064 Mio. Franken ab, ein Depotverlust also von 210‘000 Franken. Dabei handelte es sich beim Anlagejahr 2012 bekanntlich um ein ausgesprochen gutes Börsenjahr, wo Verluste der beiden Vorjahre eigentlich hätten wettgeschlagen werden müssen.

Zudem stellte der Bruder unverhältnismässig hohe Courtage- und Gebührenbelastungen fast. Ebenso wollte er in Erfahrung bringen, auf welche Summe sich die von der Bank für sich einbehaltenen Retrozessionen beliefen. Seine eigene Schätzung belief sich auf 100‘000 Franken für die letzten 10 Jahre. Die Bank verweigerte aber eine klare Antwort und rückte statt dessen mit einem Standardschreiben vom 22.08.2012 heraus, worin der gesundheitlich stark angeschlagene VV-Kunde mit zittriger Hand u.a. folgenden Satz unterschrieb: „Der Kunde ist damit einverstanden, dass die BEKB Vertriebsentschädigungen und Rückvergütungen im Zusammenhang mit der Verwaltung des Portefeuilles als zusätzlicher Teil ihres Honorars einbehalten darf.“

Der Bank den Kampf angesagt

In einem zusammenfassenden Bericht unter dem Titel „Abzockerei zum Nachteil eines betagten, alleinstehenden Mannes durch die BEKB“, der auch mir vorliegt, ist der generalbevollmächtigte Bruder nun in die Offensive gegangen. Seine Vorwürfe an die Bank sind happig. So beanstandet er, dass die Bank allein zwischen dem 30.08. und dem 19.12.2012 40 Käufe und Verkäufe getätigt und dafür Courtagen in Höhe von Fr. 14‘111.00 belastet hat. Unter den Verkäufen fanden sich erstklassige Schweizer Aktien wie Nestle, Swatch, Novartis, ABB, Adecco oder Credit Suisse. Ebenso wurde eine 5,25 % Anleihe der Rabobank-Bank mit noch 2-jähriger Laufzeit verkauft. Diese Titel, so der Bruder, mussten weichen, damit die Bank Anlagen aus eigenem Haus, die zudem hohe Retrozessionen abwarfen, erwerben konnte, insbesondere Fonds aus dem Swisscanto-Segment.

Der Bericht schliesst mit der Erkenntnis, dass der betagte Bankkunde zwei Fehler begangen habe, nämlich erstens grenzenloses Vertrauen in die  Bank gehabt und zweitens dem Bruder nicht schon 10 Jahre früher Generalvollmacht erteilt zu haben. Deshalb sei er zum Opfer einer unermesslichen Profitgier seiner Bank geworden.

 

23.05.2013 | 2764 Aufrufe

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