Der Regierungsrat empfiehlt dem Grossen Rat, die Aargauische Volksinitiative "Ja für Mundart im Kindergarten" ohne Gegenvorschlag abzulehnen. Das Anliegen der Initianten wird jedoch teilweise aufgenommen: In der entsprechenden Regelung im Lehrplan Kindergarten wird der Minimalanteil der Standardsprache von heute 50 Prozent auf neu 30 Prozent reduziert und die Verwendung der Mundart explizit erwähnt.

mgt.

Regierungsrat nimmt klarere Formulierung zur Mundart im Lehrplan vor (Foto: Helene Souza / pixelio.de)

Für die Kindergärten im Kanton Aargau gilt seit 2008/2009 das Ziel, neben der Pflege der Mundart auch regelmässig mit der Standardsprache in Kontakt zu kommen. So sollen die Kindergarten-Lehrpersonen gemäss Lehrplan Kindergarten während mindestens der Hälfte der Unterrichtszeit im Kindergarten Standardsprache sprechen. Da diese Regelung so verstanden werden könnte, dass der Mundartförderung im Kindergarten kaum mehr Gewicht zukommt, hat der Regierungsrat das Verhältnis von Mundart und Standardsprache im Lehrplan Kindergarten expliziter verankert. Er hat folgende Umformulierung beschlossen: "Damit den Kindern eine optimale Förderung geboten werden kann, sollen die Kindergarten-Lehrpersonen während mindestens einem Drittel der Unterrichtszeit im Kindergarten Standardsprache sprechen. In der übrigen Zeit sollen sie in Mundart unterrichten".

Stärkung der Mundart im Lehrplan

Mit der Anpassung im Lehrplan Kindergarten ist der Regierungsrat den Anliegen der Initianten der Mundart-
initiative teilweise entgegengekommen. Der Regierungsrat beantragt dem Grossen Rat, die Initiative ohne Gegenvorschlag abzulehnen. Dies mit folgenden Begründungen:

  • Die Aargauer Praxis der Förderung von Mundart und Standardsprache im Kindergarten hat sich weitgehend bewährt.
  • Für den schulischen und beruflichen Erfolg sowie für die soziale Integration sind Mundart und Standardsprache gleichermassen wichtig. Zudem bietet der Kindergarten den Kindern die Möglichkeit, sich unbeschwert mit beiden Sprachformen auseinanderzusetzen. So wird auch der Übertritt in die Primarschule erleichtert, in welcher der Unterricht grundsätzlich in der Standardsprache erfolgt.
  • Inhalte zum Lehrplan gehören nicht auf Gesetzesebene. Ein Mundartgebot im Kindergarten gesetzlich zu verankern, wäre bildungspolitisch ein heikles Signal. Der Lehrplan der Volksschule könnte sonst zum Spielball von Einzelinteressen werden.

Abstimmung Volksinitiative

Der Grosse Rat wird die Initiative voraussichtlich im Dezember 2013 beraten, im Mai 2014 kommt sie zur Volksabstimmung. Bei einer Ablehnung der Initiative "Ja zu Mundart im Kindergarten" bleibt die neue Formulierung im Lehrplan Kindergarten bestehen. Diese Änderung tritt auf Beginn des Schuljahrs 2014/15 in Kraft.

26.10.2013 | 961 Aufrufe

Kommentare

Avatar
Sicherheitscode