„Wie kann man nur irgendwas essen, was Augen hat?“ – dieses Zitat des bekannten amerikanischen Lebensmittelherstellers Will Kellogg beschreibt nur einen Aspekt in der grossen Debatte zwischen Fleischessern und Vegetariern sowie Veganern. Dass diese gesellschaftliche Auseinandersetzung nicht immer nur mit sachlichen Argumenten geführt wird, ist klar. Eine Studie der Oxford University sorgt aktuell für Aufsehen, denn sie hat die Konsequenzen für die Menschheit und die Erde innerhalb von 4 Szenarien prognostiziert. Das Ergebnis scheint Vegetariern und Veganern Recht zu geben. Lässt sich auf diesem Weg also tatsächlich die Welt retten?

von Martina Gloor

Eine vegane Ernährung kann viel zur eigenen Gesundheit beitragen (Foto: benhammad – 210871768 / Shutterstock.com)

Was würde sich durch eine vegetarische Menschheit verändern?

Die Studie hat vier verschiedene Szenarien für die Ernährungsgewohnheiten der Menschheit entworfen.

  1. Das Referenz-Szenario (REF)
    In diesem Szenario ernährt sich die Menschheit im Grossen und Ganzen genauso wie bisher. Es finden also keine grösser angelegten Veränderungen statt.
  2. Gesunde Ernährungsweise (HGD= healthy global diets)
    Dieses Szenario zeichnet sich dadurch aus, dass alle Menschen zu einer gesunden Ernährungsweise umschwenken, die sich an den entsprechenden gesundheitlichen Leitlinien orientiert. Dabei werden letztlich nur so viele Kalorien aufgenommen, wie der Mensch tatsächlich zum Leben benötigt.
  3. Vegetarische Ernährungsweise (VGT= vegetarian)
    In diesem Szenario wird angenommen, dass die Menschheit sich für eine vegetarische Ernährung entscheidet. Neben dem Verzicht auf Fleisch und Fisch geht die Lebensweise sogar so weit, auch auf Eier und Milchprodukte zu verzichten.
  4. Vegane Lebensweise (VGN)
    Einen Umschwung zu rein veganer Ernährung zeigt dieses Szenario auf. Darin verzichten die Menschen auf alle Lebensmittel, in denen sich tierische Produkte befinden.

Doch wie verändert die Ernährungsweise der einzelnen Szenarios jeweils die Ausgangssituation? In der folgenden Tabelle sollen die Auswirkungen je nach Szenario etwas genauer aufgezeigt werden:

Aspekt

HGD

VGT

VGN

Gesundheit

Weltweit könnten ca. 5,1 Millionen Todesfälle pro Jahr verhindert werden. Ein Grossteil entfällt auf den weitgehenden Verzicht auf rotes Fleisch und den Mehrkonsum an Obst und Gemüse.

Die Zahl der Todesfälle könnte durch eine vegetarische Ernährung weltweit sogar um 7,3 Millionen pro Jahr gesenkt werden.

Eine vegane Kost hätte zur Folge, dass insgesamt jährlich 8,1 Millionen Menschen weltweit vor dem Tod bewahrt werden können.

Umwelt

Durch eine gesündere Ernährung könnten aufgrund des geringeren Fleischkonsums die weltweiten ernährungsbedingten Emissionen um 29% gesenkt werden.

Eine vegetarische Ernährungsweise würde sogar dafür sorgen, dass die Emissionen durch Ernährung auf der Welt um 63% sinken.

Bei einer rein veganen Lebensweise läge die Einsparung bei den ernährungsbedingten Emissionen sogar bei 70% pro Jahr.

Kosten

Die eingesparten Kosten durch geringere Emissionen sowie eine verbesserte Gesundheit belaufen sich auf 735 Milliarden Dollar (Gesundheit) plus 234 Milliarden Dollar (Emissionen) pro Jahr.

Bei einer vegetarischen Lebensweise teilen sich die Kosteneinsparungen wie folgt auf:

- 973 Milliarden Dollar (Gesundheit)

- 511 Milliarden Dollar (Emissionen)

Noch etwas besser sieht bei einer komplett veganen Lebensweise der Menschheit aus:

- 1,067 Billionen Dollar (Gesundheit)

- 570 Milliarden Dollar (Emissionen)

Tabelle: Szenarien der Oxford-Studie zu Ernährungsgewohnheiten

Die Ergebnisse der Studie zeigen eindeutig, dass der Wechsle zu einer gesünderen oder gar vegetarischen und veganen Ernährung nicht für die Betroffenen selbst ein positiver Schritt wäre, sondern auch für die gesamte Menschheit. Dabei haben die Studienautoren selbst erklärt, dass die Szenarien in dieser Form so wohl nicht umgesetzt würden. Trotzdem wird sehr gut ersichtlich, dass eine intensivere Beschäftigung mit den eigenen Ernährungsgewohnheiten sehr viele positive Effekte (z.B. laut Vegan Shop seltener anfällig für Diabeteserkrankungen, ausgewogener Kalium- und Magnesiumbedarf sowie niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen).

Tipps für werdende Veganer – Schritte in die richtige Richtung?

Wer sich für die vegane Lebensweise interessiert oder zumindest eine gesündere Ernährungsweise anstrebt, kann dies auch im kleinen Massstab beginnen:

  • Wer beispielsweise auf industriell gefertigte Fertig-Lebensmittel verzichtet, nimmt bereits deutlich weniger Schadstoffe und auch tierische Produkte auf. Oftmals ist es Konsumenten gar nicht genau bekannt, was sich alles in Fertigessen verbirgt.
  • Ein weiterer Ansatz besteht darin, als Fleischesser zunächst grösstenteils auf rotes Fleisch (Schwein, Rind, Schaf, Ziege) zu verzichten. Auf diesem Weg lassen sich einige gesundheitliche Hauptrisiken des Fleischkonsums bereits stark absenken.
  • Wer von vornherein voll und ganz auf vegane Lebensweise umstellen möchte, sollte unbedingt einige wichtige Aspekte beachten. So ist es beispielsweise wichtig, auf eine externe Zufuhr von Vitamin B12 zu achten. Dieses Vitamin lässt sich durch rein pflanzliche Ernährung auf natürlichem Wege kaum aufnehmen. Darüber hinaus kann sich beispielsweise auch ein erhöhter Zinkbedarf ergeben, da vegane Ernährung mit vielen Aufnahmehemmstoffen einhergeht.

Fazit

Auch wenn vor allem vegane Ernährung noch als komischer Trend belächelt wird, scheinen die Vorteile einer solchen Lebensweise tatsächlich sehr umfangreich zu sein. Die eigene Gesundheit kann offenbar deutlich profitieren und gleichzeitig lässt sich auch noch für die Umwelt etwas Gutes tun. Natürlich sollte man auch das Schicksal der Tiere nicht vergessen, denen eine Menge erspart bleibt. Auch wenn letztlich nicht alle Menschen Veganer und Vegetarier werden dürften, kann diese Studie einen guten Denkanstoss geben, um sich mit der eigenen Lebensweise auseinander zu setzen.

 

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