Unglaublich, wie die Zeit vergeht. 2011 gründete Kommunikationsberater Roman Jäggi aus Fulenbach die Internet-Zeitung aare24.ch (für die Region Olten-Oensingen-Zofingen). Ein Jahr später fusionierte aare24.ch mit grenchen.net zur Internet-Zeitung soaktuell.ch (für Aargau-Solothurn und die Schweiz). Ein Rückblick.

Wir werden oftmals nach dem Auslöser für die Gründung eines eigenen Mediums gefragt. Den gibt es aber nicht. Vielmehr war es die Erkenntnis, dass die Zeit der Zeitungslandschaft, wie wir sie früher in der Region Aargau-Solothurn kannten, vorbei war.

Zum einen steigen die Abo- und Inseratepreise in unseren Zeitungen regelmässig, während die Leser- und Abozahlen sinken. Eine ganze Generation unter 30-Jähriger ist nicht mehr bereit, viel Geld für ein Zeitungsabo zu bezahlen.

Auf der anderen Seite wurden die Inhalte der Tageszeitungen von Grenchen über Solothurn, Olten, Aarau bis Baden in den letzten Jahren spürbar gleichgeschaltet. Eine Dauerberieselung von Mitte-Links Mainstream mit gelegentlichen inhaltlichen "Ausrutschern" nach rechts, um Inserenten und bürgerliche Leser bei Laune zu halten. Das verärgert die älteren Generationen zunehmend. Und mediale Ausweichmöglichkeiten gab es in der Region Aargau-Solothurn keine mehr. Jede Zeitung, die von AZ Medien übernommen wurde, war danach schlechter als vorher. Jüngstes trauriges Beispiel: Das Oltner Tagblatt. Die Medienlandschaft Aargau-Solothurn wurde in den letzten Jahren karg und langweilig.

Vereine, Verbände, Parteien und KMU gelangten mit der Bitte an Kommunikationsberater Roman Jäggi, doch eine verlagsunabhängige Alternative - mindestens im Internet - zu schaffen, damit Mitteilungen, die von Tageszeitungen nicht mehr aufgenommen würden, wieder irgendwo im vollen Wortlaut und nicht einseitig verkommentiert Platz fänden. 

Zuerst war aare24.ch

Das hat Roman Jäggi 2011 mit der Internet-Zeitung aare24.ch versucht. Doch das eng begrenzte Gebiet Olten-Oensingen-Zofingen war schlicht zu klein. Ein grösseres Gebiet und eine andere Softwarelösung mussten her. Ein Jahr nach Beginn kam die Online-Zeitung grenchen.net hinzu. Es entstand eine Internet-Zeitung für die ganze Region Aargau-Solothurn unter der neuen Adresse soaktuell.ch oder agaktuell.ch. 

Daraus wurde soaktuell.ch

Jetzt ging es Schlag auf Schlag. Die Besucherzahlen stiegen in den fünf Jahren kontinuierlich. Zuerst war soaktuell.ch vor allem im Raum Solothurn-Grenchen stark. Dann kamen die Regionen Zofingen und Olten hinzu und zuletzt der übrige Kanton Aargau. Rund 2'500 Freunde (Stand: Januar 2016) verfolgen soaktuell.ch täglich alleine über Facebook. Das sind mehr Facebook-Freunde als die Solothurner Zeitung, das Grenchner Tagblatt und das Oltner Tagblatt zusammen aufweisen können.

Bei der Gewichtung des Inhalts und des dafür betriebenen personellen Aufwandes musste die Internet-Zeitung soaktuell.ch allerdings zuerst ihren Weg finden. Reportagen, Recherchen, Bildergalerien usw. sind zwar nett, aber auch teuer und bringen kein Geld. Doch ohne genügende Finanzierung läuft nichts.

Und weil soaktuell.ch keinen Geldgeber fand, der 20 Millionen Franken in den Aufbau des Projektes pumpte (wie andere Online-Zeitungen), war soaktuell.ch gezwungen, Schritt für Schritt einen gangbaren Mittelweg zwischen Aufwand und Ertrag zu finden. Es brauchte viel Zeit, Fingerspitzengefühl, Willen und Geschick, eine Finanzierungsform zu finden, die regelmässige Erträge sicherte und nicht anfällig war auf die Einflussnahme der Konkurrenz. Heute haben wir das geschafft, aber es gelang uns erst im fünften Betriebsjahr. Doch wir sind heute überzeugt davon, dass langsames Wachstum längerfristig gesünder ist, als schnelles Wachsen um jeden Preis. 

soaktuell.ch hat in den ersten fünf Jahren viel gelernt. Auf bestimmte Dinge, welche die anderen schlicht besser machen, wurde bewusst verzichtet. soaktuell.ch brauchte auch den Mut, Nein zu sagen. Den Mut, redaktionelle Artikel etwa über Veranstaltungen nicht zu publizieren, wenn deren Veranstalter bezahlte Inserate bei der Konkurrenz schalteten, während soaktuell.ch bestenfalls für die Gratis-Berichterstattung gut genug war. Gleichzeitig hat soaktuell.ch seine Stärken dort ausgebaut, wo bei anderen Schwächen geortet wurden. Der Weg war insgesamt der richtige.

Die Internet-Zeitung soaktuell.ch ist heute in der Region Aargau-Solothurn bekannt. Die Leserinnen und Leser schätzen unseren Mut für eine oftmals anderen Gewichtung, Sichtweise und Meinung, als man sie in anderen Medien vorgesetzt bekommt. Weil bei soaktuell.ch auch SVP'ler zu Wort kommen, ist es aber noch lange keine SVP-Zeitung.

So hat soaktuell.ch etwa bei der Stadtpräsidentenwahl in Grenchen unmissverständlich für FDP-Mann François Scheidegger Partei ergriffen, weil wir einen Wechsel in Grenchen für die Zukunft der Stadt und die dortigen Menschen als richtig und nötig empfanden. Oder soaktuell.ch hat Partei ergriffen für den grünen Stadtpräsidenten von Baden, Geri Müller. Dies, nachdem Geschichten aus seinem Intimbereich von einer enttäuschten Liebe einer Zeitung zugetragen wurden, die es dann auch publizierte. Die Publikation einer solchen Geschichte ist nach unserer Auffassung - unabhängig der Parteifarbe oder des Amtes der betroffenen Person und unabhängig davon, wie dumm die Geschichte an sich ist - ein absolutes No-Go, eine Sauerei. Es war unsere Pflicht, Geri Müller in dieser Zeit eine Stimme zu geben.

Die Internet-Zeitung soaktuell.ch kritisierte in ihren ersten fünf Jahren als praktisch einziges Medium der Schweiz die Rolle der Universität Zürich im Zusammenhang mit dem Rauswurf von SVP-Politiker Christoph Mörgeli und bekam Recht. Kurz vor Weihnachten 2015 befand ein Gericht, dass die Uni Zürich im Zusammenhang mit der Entlassung von Christoph Mörgeli schwere Fehler begangen habe. 

Ein Stück interessanter

Dank dieser oftmals anderen Meinung wurde die Internet-Zeitung soaktuell.ch bei der Leserschaft ein Stück interessanter als all jene, die vom Bodensee bis zum Genfersee medial ins gleiche Horn blasen. So möchten wir auch in Zukunft weiter arbeiten: Langsam und gefestigt wachsen, uns nicht von der Konkurrenz beirren lassen, jenen eine Stimme geben, die anderswo keine mehr bekommen und so eine echte Alternative zur übrigen Medienlandschaft bieten. 

Wir danken Ihnen für Ihre Treue und wünschen ein gutes und erfolgreiches neues Jahr 2016. 

Chefredaktor Roman Jäggi
und das Team von soaktuell.ch

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