Rund ein Drittel der Google-Suchabfragen, so schätzt man, gehen auf das Konto von «Online-Voyeuristen», die Suchmaschinen gezielt nach Namen von Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunden, Kunden, Lieferanten, Konkurrenten, Nebenbuhlern etc. durchforsten. Stundenlang verfolgen sie Suchmaschinentreffer oder klicken auf Bilder in der Bildersuche der Suchdienste. Sie "verplämpern" so wertvolle Freizeit oder teure Arbeitszeit. Das kann krankhafte Züge annehmen.

von Roman Jäggi, Inhaber der Internet-Zeitung soaktuell.ch

Kürzlich schrieb uns ein Unternehmer, dass er soeben zwei Mitarbeitende entlassen musste, weil sie über Monate sage und schreibe bis zu 40 Prozent der Arbeitszeit mit nicht dienstlich begründeten Online-Recherchen abgesessen haben. Der eine holte sich dabei einen Virus ins Firmennetz, welcher dieses für Tage ausser Gefecht setzte und tausende Franken Supportkosten verursachte. 

Für Unternehmen werden «Online-Voyeuristen» zum Problem. Generieren sie doch mit dem Anklicken unzähliger Links oder dem Öffnen zahlreicher Bilder enormen Traffic, ganz abgesehen vom Sicherheitsrisiko, welches wildes Herumklicken nun mal in sich birgt. Doch das Hauptproblem ist das Absitzen von teurer Arbeitszeit mit dienstlich nicht zu rechtfertigenden extensiven «Google-Recherchen» oder ähnlichem. In vielen Unternehmen ist dies explizit verboten. 

Völlig falsches Bild

Doch auch sonst ist die Online-Schnüffelei fragwürdig. Denn, wer sich bei der Informationssuche über Personen nur auf Online-Treffer verlässt, bekommt fast immer ein völlig falsches Bild von seiner "Zielperson". Denn missliebige Personen und Konkurrenten nutzen die Möglichkeiten von Google, um mit reisserischen Kommentaren, Blog-Einträgen oder Zeitungsartikeln das Online-Image ihrer Kontrahenten zu beschädigen. Besonders beliebt und augenfällig ist diese Praxis in der Politik.

Auf der anderen Seite füttern gewiefte Internet-Nutzer den Hunger von «Online-Voyeuristen» gezielt, indem sie mit voller Absicht dafür sorgen, dass man bei Suchdiensten Treffer zu positiven Geschichten oder Bildern (etwa aus der Familie, den Ferien am Traumstrand, von Sportereignissen oder mit Haustieren usw.) findet. Diese Internet-User können so direkt beeinflussen, wie viel sie von ihrer Persönlichkeit sowie aus dem Privatleben öffentlich preisgeben wollen und was genau die "Schnüffler" sehen sollen.

Die Fülle aus übertrieben positiven oder mindestens so übertrieben negativen «Google-Treffern» verunmöglicht letztlich die richtige Einschätzung einer Person und kann zu verzerrten Eindrücken führen.

Vorsicht vor den «Google-Scheuen»

Während früher vor allem Personalabteilungen Google, Facebook & Co. nach pikanten Geschichten und Fotos ihrer Bewerber und Mitarbeitenden durchforsteten, sind es heute oftmals von Neugier und nicht selten auch von Neid Getriebene, die sich an den Google-Treffern anderer ergötzen. Nicht selten sind es genau diese «Google-Scheuen», die fast krankhaft darauf achten, selber ja keine Spuren im Internet zu hinterlassen. Sie verfügen weder über eine eigene Website, noch über ein Facebook-Profil und achten auch sonst peinlich genau darauf, in Vereinsprofilen oder auf Firmenseiten weder abgebildet noch genannt zu werden. Mit dem Ergebnis, dass sie auf Google faktisch inexistent sind. Was sollen Personalverantwortliche nun davon halten, wenn sie nach einem solchen Bewerber googeln? Ist die Person völlig inaktiv und langweilig? Oder hat sie was zu verbergen?

Personalverantwortliche kommen immer mehr weg von umfangreichen Google-Recherchen. Oder sie erwarten, je nach zu besetzender Stelle, eher aktive Menschen mit Ecken, Kanten und somit explizit auch positiven wie negativen Google-Treffern. Frei nach dem Motto: Wer auf Google keine Spuren hinterlässt, tut es mit Sicherheit auch im Job nicht!

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