Obwohl das Volk noch gar nicht darüber befunden hat, ob es die Energiestrategie 2050 des Bundesrates annehmen will oder nicht, setzt die Bundesverwaltung diese intern bereits fleissig um. 2012 wurde die Koordinationsgruppe «Energie-Vorbild Bund» gegründet. Sie verfolgt das Ziel, in der Bundesverwaltung und in bundesnahen Betrieben (Post, SBB, ETH, Skyguide, Swisscom) Energie zu sparen.

von Nationalrat Mauro Tuena, Zürich

Was im Leben von Normalsterblichen bedeuten würde, dass man beim Verlassen eines Raumes einfach das Licht löscht und bei der Anschaffung neuer elektrischer Geräte auf die Energieeffizienz achtet, mündet in der Bundesverwaltung in einen umtriebigen Aktionismus. Wie bei jedem Bundesvorhaben anscheinend üblich, wird zuerst eine eigene Geschäftsstelle eingerichtet. Dann werden in einem Aktionsplan «konsensuell erarbeitete Massnahmen» festgehalten. Diese werden aber nicht etwa von der achtköpfigen Koordinationsgruppe selbst festgelegt, sondern von verschiedenen Arbeitsgruppen.

Die Erreichung der definierten Ziele muss selbstverständlich auch überwacht werden – Monitoring nennt man das auf Bundesverwaltungsdeutsch. Die Resultate dieses Monitorings werden jährlich in einem Bericht offengelegt. Dieser umfasst stets mehr als fünfzig Seiten, will man sich doch nicht dem Verdacht aussetzen, in Koordinationsgruppe, Arbeitsgruppen und Geschäftsstelle zu wenig aktiv zu sein. Allerdings: Ganz alleine kriegen diese Instanzen den Bericht dann auch wieder nicht hin. Sie sind dafür auf externe fachliche Berater angewiesen.

Mindestens vier müssen es schon sein, wie der Jahresbericht aufweist. Sie kommen von der Brandes Energie AG und der Weisskopf Partner GmbH, wobei die Chefin der Brandes Energie AG gleichzeitig auch die Teilhaberin der Weisskopf Partner GmbH ist. Ihre Beratertätigkeit lassen sie sich fürstlich vergüten: Immerhin 450'000 Franken beträgt hier das Budget.

Bürokratie pur

Wem das jetzt alles zu kompliziert daherkommt und ein bisschen viel Energieaufwand zu sein scheint dafür, dass doch eigentlich Energie gespart werden soll, der kennt noch nicht das Dokument «Detaillierte Systemgrenzen und Berechnungsmethoden für die Energieeffizienzkennzahl der Akteure des Energie-Vorbilds Bund». Da wird die genaue Formel vorgegeben, wie die Einsparungen berechnet werden sollen. Dabei gilt – wie sollte es auch anders sein – für jedes Unternehmen eine andere Formel. Für die Schweizerische Post lautet sie zum Beispiel – bitte nicht erschrecken:

Man muss kein Mathematiker, um zu erahnen, dass die Berechnung dieses Undings weiteren hohen Aufwand verursachen wird. Ebenfalls keine vertieften Kenntnisse in Algebra benötigt man, um auszurechnen, was dieser ganze Apparat nützt. Der Nutzen lässt sich nämlich auf eine einfache Formel reduzieren: Viel Lärm um nichts!

Wer sicherstellen will, dass diesem Unsinn in Bundesbern Grenzen gesetzt werden, der muss am 21. Mai unbedingt ein NEIN in die Urne legen.

11.04.2017 | 5981 Aufrufe