Die Hypozinsen für Festhypotheken in der Schweiz haben sich im ersten Quartal dieses Jahres kaum verändert. Nach dem historischen Tiefststand im vergangenen Herbst scheint vorerst Ruhe eingekehrt zu sein. Die anstehenden Wahlen in Frankreich, der Brexit und die noch vage US-Wirtschaftspolitik führen jedoch zu Unsicherheiten.

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Die Zinsen für Festhypotheken haben sich im ersten Quartal dieses Jahres kaum bewegt. Im Vergleich zum Vorquartal werden zehnjährige Laufzeiten zu 0.03 Prozentpunkten weniger verzinst und liegen nun bei 1.59 Prozent. Die Nachfrage nach langen Laufzeiten ist erstmals seit eineinhalb Jahren zugunsten der kurzen und mittleren Laufzeiten zurückgegangen. Dies geht aus dem aktuellen Hypotheken-Barometer von comparis.ch hervor. Gut verhandelt liessen sich per Ende März zehnjährige Festhypotheken um 1.0 bis 1.2 Prozent abschliessen.

Trügerische Ruhe an der Zinsfront

Auch die Zinsen für fünf- und einjährige Festhypotheken haben sich seit Jahresbeginn kaum verändert. Sie verharrten auf dem Niveau von 1.1 bzw. 1.0 Prozent. Die Ruhe am Hypothekarmarkt ist allerdings trügerisch. Auf dem europäischen Markt mehren sich zwar die Anzeichen, dass die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt. Ein konkreter Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB) ist jedoch nicht absehbar. Erst kürzlich liess die EZB verlauten, dass sie die Leitzinsen unverändert lassen werde.

Damit dürfte auch der Spielraum für die Schweizerische Nationalbank gering sein, an der Zinsschraube zu drehen. «Wir gehen davon aus, dass sich die Hypothekarzinsen in den kommenden Monaten nicht gross verändern werden», so Marc Parmentier, Bankenexperte von Comparis. «Die Ausgangslage kann sich aber je nach Wahlausgang in Frankreich und den weiteren Entwicklungen bezüglich Brexit relativ schnell ändern.» Abzuwarten bleibt zudem die konkrete Ausgestaltung von Trumps Wirtschaftspolitik. «Protektionistische Massnahmen der USA wären mit Abwärtsrisiken für Europa verbunden, vor allem für exportorientierte Volkswirtschaften», ergänzt Parmentier.

Lange Laufzeiten haben eingebüsst

Erstmals seit eineinhalb Jahren sind kurze und mittlere Laufzeiten wieder verstärkt gefragt. Lag deren Anteil zum Jahresende noch bei 1.2 bzw. 11.3 Prozent, waren es am Ende des ersten Quartals 3.1 bzw. 14.6 Prozent. Der Anteil der langen Laufzeiten ist im ersten Quartal entgegen dem Trend der letzten Monate von 87.5 auf 82.3 Prozent zurückgegangen.

Der Rückgang der Nachfrage nach langen Laufzeiten überrascht. Bankenexperte Parmentier erklärt: «Möglicherweise hat sich das Bild tiefer Hypothekarzinsen in den Köpfen der Kunden verankert. In der Erwartung, dass die Zinsen auch in einigen Jahren noch tief sein werden, dürften sich einige Hypothekarnehmer bewusst für kürzere Laufzeiten mit tieferen Zinssätzen entschieden haben.»

Grafik comparis.ch (Zum Vergrössern bitte anklicken)

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