„Braucht es mehr Anlegerschutz?“ betitelte ich meinen letzten Geld-Artikel. Ein Leser im AHV-Alter nahm Bezug darauf und schildert mir, wie er seine Altersvorsorge verwalten liess und zu Verlust gekommen ist.

von Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Vorliegender Fall ist niemals vergleichbar mit den Ereignissen, die meinem Anlegerschutz-Artikel zugrunde lagen. Damals ging es um Betrugsfälle wie beim European Kings Club und den Systemen Behring oder ASE, wo es gar zu Totalverlusten gekommen ist. Hier belief sich der Verlust innert drei Jahren auf lediglich 4,5 % des Anfangskapitals. Es schmerzt den Rentner aber sehr, dass ein renommiertes, börsenkotiertes Finanzinstitut, dem er sich anvertraut hatte, dafür verantwortlich war. Die Veröffentlichung seines Falles möchte er deshalb als Warnung an andere Altersgenossen verstanden haben.

Vermögensverwaltung auf ETF-Basis

Als der Leser ins AHV-Alter gekommen war, sah er sich auf dem Markt genau um, wer ihm sein Vorsorgekapital am besten verwalten könnte. Bis anhin machte er es selber, schwergewichtig mit Obligationen über sein Depot bei der Raiffeisenbank. Weil die Zinsen aber kaum mehr die Spesen deckten, wechselte er zu einem Finanzdienstleister, der ihn – zumindest gemäss Werbung, Unterlagen und Kontaktgespräch – mit seinen auf ETF-Indexfunds basierenden Anlagestrategien überzeugte. Er investierte zwischen November 2013 bis März 2015 insgesamt 200‘000 Franken in dieses System und erhoffte sich, wie von den Beratern in Aussicht gestellt, jährliche Nettorenditen zwischen 1,5 – 2,5 %. Das wäre zwar nicht viel gewesen, aber immerhin ein bescheidener Zustupf zum Renteneinkommen. Doch es kam anders. Ende 2016 betrug des Anlagekapital noch 191‘000 Franken und für diese Vermögensreduktion bezahlte er Gebühren von insgesamt 6‘661 Franken. Frustriert von diesem Abstecher in die professionelle Vermögensverwaltung kündigte er das Vertragsverhältnis und nimmt das Wertschriftendepot wieder zurück in die eigene Hand. Ob er wohl einfach Pech hatte oder sich in analoger Gesellschaft mit anderen Senioren befindet, die sich ebenfalls über den Tisch gezogen fühlen?

Lieber ein Ende mit Schrecken?

Ich habe volles Verständnis für den Zorn dieses Anlegers, denn es zeigt sich auch in diesem Fall: Renditeprognosen in der Werbung und die dann effektiv erzielte Performance im konkreten Einzelfall lassen oft zu wünschen übrig. Da sollten Banken und Vermögensverwalter weniger aggressiv sein. Aber sie wissen nur zu gut, dass die Selbstverwaltung von Vermögen für gewöhnliche Anleger recht schwierig geworden ist, vor allem weil die einst soliden Obligationenmärkte praktisch nur noch Kosten verursachen. Dennoch halte ich den Übungsabbruch im vorliegenden Fall für verfrüht. Eine Anlagestrategie, die auf kostengünstigen, börsenkotierten Fonds (ETF) mit breit abgestütztem Risikoprofil basieren, ist durchaus vertretbar. Aber auch mit so einer Strategie fährt man weder sofort noch regelmässige Renditen ein, im Gegensatz zur jährlich anfallenden Pauschalgebühr von 1,25 %! Es kennt einfach niemand die Zukunft, schon gar nicht bei den Börsen. Vielleicht bekommt unser Senior-Anleger aber mal recht, dass er nach der Devise vom Ende mit Schrecken gehandelt und nicht weiter auf die Hinhaltetaktik dieses Finanzinstituts gesetzt hat. Kaum ein Trost für ihn: Hätte er Ende 2013 Aktien dieses Instituts gekauft, wären sie heute das Doppelte wert…

27.01.2017 | 6129 Aufrufe

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