Es gibt gute und schlechte Vermögensberater und –verwalter. Den einen geht es primär um das Wohl der Kunden, anderen vielmehr um den eigenen Profit. Mit einem Fall der letzteren Kategorie hat sich eben das Bundesgericht befasst.

 

von Maximilian Reimann

Zu beurteilen galt es ein Vermögensverwaltungsmandat zwischen einem unabhängigen Zürcher Anlageberater und einer schwer geschädigten Kundin. Der Vertrag wurde 2002 abgeschlossen und basierte auf folgender verbindlicher Anlagestrategie: 30 – 45 % Obligationen, 25 – 35 % Aktien, 10 – 20 % strukturierte Produkte, sowie 10 – 20 % liquide Mittel. Dauerhafte Kreditaufnahme in Form von Wertschriftenbelehnung zur Erhöhung des Depotvolumens war untersagt. Am 31.12.2007 betrug der Depotwert Fr. 940‘000. Dann kam es zur weltweiten Finanzkrise und zu einem wahren Debakel für die Kundin, denn bei besagtem Vermögen handelte es sich um ihre Altersvorsorge.

Verlust von 815‘000 Franken bzw. 86%

Ob man es glaubt oder nicht, aber per 30.04.2011 betrug das Kundenvermögen noch rund 40‘000 Franken, abzüglich zwischenzeitlich erfolgter Rückzüge zugunsten der Kundin in Höhe von Fr. 85‘000 also ein Verlust von Fr. 815'000. Der Vermögensverwalter hielt sich nicht an die Anlagestrategie. Er investierte im Übermass in strukturierte Produkte, die durch die Schutzbarrieren fielen. Zudem belehnte er das Vermögen der Kundin auch längerfristig für Wertschriftenkredite, um noch mehr Börsengeschäfte tätigen zu können. Es kam zur Anzeige wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung. Der Fall lief vom Bezirksgericht Zürich über das Obergericht bis ans Bundesgericht. Das Hauptargument des Verwalters zu seiner Verteidigung war, die geschädigte Klientin sei jeweils über die getätigten Transaktionen informiert worden. Sie hätte nie interveniert und habe deshalb die Börsenkäufe akzeptiert. Diese stellte sich auf den Standpunkt, keine Kenntnis über den Mechanismus der einzelnen Finanzanlagen gehabt zu haben, vor allem nicht über die strukturierten Produkte. Ausserdem hätte sie stets hervorgehoben, dass es sich um ihre Altersvorsorge handelt und sie folglich keine hohen Risiken einzugehen bereit war.

286‘000 Franken Schadenersatz plus 5%

Sämtliche drei Gerichtsinstanzen erkannten auf ungetreue Geschäftsführung durch den Vermögensverwalter. Insbesondere wurde ihm angekreidet, die Anlagestrategie sträflich missachtet zu haben. So hatte er es unterlassen, in Obligationen zu investieren. Vor Bundesgericht stellte er sich dazu auf den Standpunkt, diese hätten zu wenig Rendite abgeworfen. Im Gegensatz zu den übermässig erworbenen Strukis werfen Obligationen kaum Retrozessionen ab. Diese kassierte er natürlich selber ein, was inzwischen verboten ist. Als mildernder Umstand fiel in Betracht, dass die Finanzkrise von 2008/09 nicht in der verheerend eingetretenen Härte vorherzusehen war. Deshalb verurteilte ihn das Bundesgericht, nebst einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten, nur zu einem Schadenersatz von 286‘000 Franken plus 5 % Verzugszins. Die geschädigte Kundin dürfte aber kaum je etwas davon sehen, denn der Vermögensverwalter nahm bereits vor Gericht unentgeltliche amtliche Rechtshilfe in Anspruch.

15.09.2016 | 7424 Aufrufe

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