Betriebsschliessungen und Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland sind bedauerlich, hart vor allem für die Direktbetroffenen. Aber es gibt auch eine Kehrseite, und darüber wird kaum berichtet.

von Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Die Schweiz ist in vielem Spitze, insbesondere was das Volkseinkommen sowie das Erwerbseinkommen pro Kopf der Bevölkerung anbetrifft. Spitze ist aber auch die mediale Schwarzmalerei, wenn in der Schweiz Arbeitsplätze abgebaut werden. Was sind die Folgen? Kommt es zwangsläufig gar zu Steuererhöhungen? Ich greife das Thema heute mal auf, weil eine wichtige Komponente in dieser Kontroverse häufig ausgeblendet wird, nämlich die Beschäftigungsquote. Ich tue es aus gesamtwirtschaftlicher Sicht, wobei mir natürlich klar ist, dass diese Sicht der Dinge im leidvollen konkreten Einzelfall kaum Trost zu spenden vermag.

Nachhaltig gestiegene Erwerbsquote

Die Arbeitslosenquote ist uns ein Begriff. Sie ist ein wichtiger wirtschaftlicher Indikator, der Auskunft gibt, wie viele Leute im erwerbsfähigen Alter keine Arbeit haben. Sie bewegte sich in der Schweiz in den letzten 15 Jahren zwischen 2,6 und 4 % und liegt mit derzeitig 3,7 % deutlich unter dem Mittelwert in der EU. Ebenso aussagekräftig ist aber auch die Quote der Erwerbstätigen. Diese steht, gemessen an der Gesamtbevölkerung, aktuell bei 69,3 % und bewegt sich auf Rekordniveau. Vor zwei Jahren, als der Schweizerfranken noch an den Euro gebunden war, lag sie bei 68,5 %, vor 15 Jahren bei 67,4 %. Diese Entwicklung beweist klar, dass abgebaute, wegrationalisierte und ausgelagerte Arbeitsplätze durch neue mehr als kompensiert werden konnten. Grossen Anteil an dieser Entwicklung hatten die Frauen. Standen von ihnen im Jahre 2000 erst 57 % im Erwerbsleben, sind es heute bereits 64 %, ganz oder auf Teilzeitbasis.

Steuererhöhungen unumgänglich?

Bis jetzt haben die chronischen Schwarzmaler also noch nicht Recht bekommen. Die Schweiz erfreute sich bis heute einer zumeist robusten Konjunktur, Frankenaufwertung, Hochlohnniveau oder Einkaufstourismus hin oder her. Aber Wolken am Horizont der Weltwirtschaft sind mehr als sichtbar. Die Probleme im Zuge der Euro-Krise und der Massenmigration Richtung Europa verdüstern die Lage noch mehr. Wird es also zu höheren Arbeitslosen- und tieferen Erwerbsquoten kommen, verbunden mit abnehmenden Steuereinnahmen und Druck auf Steuererhöhungen? Ein solches Szenarium ist nicht unrealistisch. Aber Steuererhöhungen haben nur dann eine Chance, vom Volk angenommen zu werden, wenn der Staat – auf allen drei Ebenen - vorgängig rigorose Sparprogramme umgesetzt hat. Auf Bundesebene, das weiss ich aus erster Hand, besteht grosses Potenzial dafür. Parallel dazu müssen aber auch wir Bürgerinnen und Bürger unsere Ansprüche an den Staat in manchen Bereichen etwas reduzieren.

12.03.2016 | 8664 Aufrufe

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