Ein Kommentar von Dr. Manfred Küng, Weinbauer, Rechtsanwalt und Regierungsratskandidat

Bei der Einflussnahme wird unzimperlich vorgegangen, wie sich anhand der freisinnigen Kandidatenkür für die Solothurner Regierungsratswahlen zeigen lässt. Die FDP.Die Liberalen sind mit einer Reihe von starken Kandidaten zur Auswahl angetreten. Neben einem Oberrichter standen der von der Wirtschaft favorisierte Fraktionspräsident Peter Hodel (Schönenwerd) und der in allen Fraktionen hoch angesehene und von den Jungfreisinnigen zur Wahl empfohlene Peter Brügger (Langendorf) zur Auswahl. Wer erwartet hatte, die Solothurner Zeitung werde Hodels Wirtschaftskompetenz gegen Brüggers staatsmännische Kommissionsführung abwägen, sah sich getäuscht. Wer welchen Rucksack hat und wer welche Eignung für das Amt mit sich bringt, war nie Thema. Für den Chefredaktor stand von Anfang an fest: es braucht keine Rucksackdiskussion, es braucht gar keine Diskussion, es braucht eine freisinnige Frau in der Solothurner Regierung und selbstverständlich folgte die Nominationsversammlung den medialen Richtlinien. In späteren Kommentaren wurde sogar damit geliebäugelt, dass einer der amtierenden drei Regierungsräte abgewählt und durch eine der vier kandidierenden Frauen ersetzt werden könnte.

Wanner-Medien versuchen Urnengänge zu beeinflussen – doch es funktioniert nicht mehr so richtig

Von Masseneinwanderung über Brexit, Trump bis zu den Aargauer Regierungsratswahlen. In letzter Zeit lagen nicht nur die Wanner-Medien meistens voll daneben.

Die mediale Beeinflussung insbesondere der Wahlen stört aus mehreren Gründen. Erstens sollte die Geschlechterfrage überwunden sein, wie das bei den Solothurner Sozialdemokraten oder bei den Solothurner Grünen der Fall war: ein Mann und eine Frau standen in der Ausmarchung und die Kandidatin hat sich nicht wegen ihrem Rock sondern wegen ihrer Qualitäten durchgesetzt.

Zweitens kommt der Ruf nach einer Mehrheit von Frauen in der Solothurner Regierung aus der falschen Ecke: Peter Wanners Medienkonzern zelebriert das überholte „Die-Frau-gehört-an-den-Herd“-Weltbild, finden sich doch in Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der AZ-Medien ausschliesslich Männer und nicht eine einzige Frau.

Drittens wird die Geschichte durch die Solothurner Zeitung verfälscht dargestellt. Es ist nicht das Jahr 2017 das die erste Gelegenheit für zwei Frauen in der Solothurner Regierung bietet. Die Gelegenheit, neben der im Jahr 2005 in die Regierung gewählten Esther Gassler eine zweite Frau in die Regierung zu wählen, hat sich bereits 2009 mit der anerkannten Finanzpolitikerin Colette Adam (SVP Derendingen) geboten; doch diese war in ihrem Denken und ihrer Art wohl etwas zu selbständig, um von Habsburgs Gnaden in die Regierung gehievt zu werden.

Weniger Wahlbeeinflussung und etwas mehr objektive, ausgewogene Information aus den Regionen sind gefragt. Dann wären die Leute vielleicht auch wieder bereit, etwas für Zeitungsabonnements und Inserate zu bezahlen.

(Erstpublikation des Textes in der "Schweizerzeit" vom 27.01.2017)

27.01.2017 | 7247 Aufrufe

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