Die auf Aktien basierenden strukturierten Anlageprodukte mit den auffallend hohen Coupons, im Bankenslang niedlich „Strukis“ genannt, haben ihre Tücken. Ich hatte gewöhnliche Anleger, die keine erhöhten Risiken eingehen wollen, schon wiederholt vor diesen Produkten gewarnt. Auch Anlageberater sind oft mitschuldig, wenn Depotkunden damit hohe Verluste erleiden, wie folgendes Beispiel zeigt.

von Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Es war im Jahr 2007, als sich eine Depotkundin, die sich im Wertschriftenbereich nur mässig auskannte, mit ihrem Bankberater die Anlagestrategie „ausgewogen“ festgelegt hatte, d.h. Aktienanteil 40 %, verteilt aus Risikogründen auf mehrere Aktien. Ins Depot genommen wurde auch ein „Struki“ des Typs Barrier Reverse Convertible, basierend auf drei Aktien, worunter Credit Suisse. Die Grossbankaktien notierten damals auf Höchstständen, die CS-Aktie um 90 Franken. Dann kam es zur Finanzkrise. Die CS-Aktie fiel in besagtem „Struki“ durch die Barriere und die Kundin bekam am Ende der Laufzeit nicht Bargeld zurück, sondern CS-Aktien zum Kurs um 40. Der Aktienanteil im Gesamtdepot stieg markant an und die CS-Aktien bildeten darin ein Klumpenrisiko. Der Berater glaubte, der Aktienmarkt hätte wieder mal übertrieben und empfahl der Kundin, die Aktien durchzuhalten.

Doch der CS-Aktiencrash ging weiter und erreichte vor zwei Monaten mit Fr. 12.50 ein jämmerliches Tief. Die Kundin verlor allein auf dieser Struki-Position rund 75 % des Einstandspreises. Ironie des Schicksals: In dieser Zeitspanne zockten die obersten Bosse der Credit Suisse Millionen-Boni ab; allen voran der damalige CEO Brady Dougan mit einem Spitzenwert von 71 Millionen im Jahr 2010. Offensichtlich geht die Abzockerei unter dem neuen CS-Chef Tidjane Thiam, früher u.a. Minister für Planung im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste, munter weiter.

Die Depotkundin klagte in der Folge gegen die Bank auf Schadenersatz, weil diese mit der Struki-Position die Anlagestrategie „ausgewogen“ verletzt und ihr grossen Schaden eingebrockt hatte. Die Bank wehrte sich mit dem Hinweis, in besagter Zeit seien Vermögensverluste an den Finanzmärkten Usanz gewesen. Nach längerem Hin und Her kam es zu einem Vergleich.

 

 

 

 

05.04.2016 | 9462 Aufrufe

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