Wieder einmal sorgt die vom schweizerischen Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ alljährlich publizierte „Reichen-Statistik für Schlagzeilen. Wer sind die reichsten Schweizer, welche sind noch reicher geworden, welchen müssen nun unten durch? Zahlen, die sich einerseits natürlich gewinnbringend vermarkten lassen, die andererseits aber auch Fragen aufwerfen. Fragen wie diese:

von Maximilian Reimann, Nationalrat, Gipf-Oberfrick

Wie glaubwürdig sind die Zahlen?

Natürlich ist es für ein Land wie der Schweiz ebenso erfreulich wie einträglich, wenn möglichst viele Superreiche daselbst ihren Wohnsitz haben. Ob es aber ehrbar ist, persönliche Daten an die grosse Glocke zu hängen, die weitgehend auf Schätzungen beruhen und lückenhaft sind, darüber scheiden sich die Geister. Kaum ein Direktbetroffener dürfte der „Bilanz“ die persönlichen Vermögensverhältnisse offenlegen. Keiner wird eine Richtigstellung verlangen, wenn die „Bilanz“-Schätzung stark von der Realität abweicht. Und ebenso wird sich auch kaum einer rühren, wenn er von der „Bilanz“ vergessen wird. Das publizierte Zahlenmaterial ist somit nicht das Gelbe vom Ei…

Wie steht es mit dem Daten- und Persönlichkeitsschutz

Nun gibt es aber noch sechs Kantone, die auf Anfrage hin Einblick in die rechtskräftigen Steuerdaten von Privatpersonen gewähren. Die Zahl ist abnehmend und der Nationalrat hat es letztes Jahr mit 127 zu 54 Stimmen abgelehnt, alle Kantone zu verpflichten, die Geheimhaltungspflicht im Steuerwesen aufzuheben. Datenschutz und insbesondere Schutz der finanziellen Privatsphäre werden also klar höher gewichtet als die Neugier der „Bilanz“ und ihrer Leserschaft. Somit erweist sich besagte „schweizerische Reichen-Statistik“ als ein fragwürdiges Flickwerk von Journalisten. Höchstens für 6 Kantone dürfte sie einigermassen stimmen.

03.12.2015 | 7842 Aufrufe

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