Mit einem umfassenden Hochwasserschutzprojekt an der Wigger sollen die Siedlungsgebiete und insbesondere die Industriezonen von Zofingen und Strengelbach besser gegen Hochwasser geschützt werden. Gleichzeitig sollen durch einen erleichterten Zugang zum Gewässer und weiteren Massnahmen die Biodiversität und die Naherholungsfunktion der Wigger in diesem dicht besiedelten Raum verbessert werden. Der Regierungsrat unterbreitet dem Grossen Rat die Botschaft zum entsprechenden Verpflichtungskredit.

Departement Bau, Verkehr und Umwelt AG

Die Projektkosten belaufen sich auf rund 12,6 Millionen Franken, die Nettokosten für den Kanton betragen rund 2,9 Millionen Franken.

Im kantonalen Richtplan sind der Hochwasserschutz und die Sanierung der Wigger von Brittnau bis Aarburg beschlossen und raumplanerisch festgesetzt. Die Schutzdefizite in Brittnau wurden durch einen zeitgemässen Ausbau mit der Revitalisierung der Wigger bereits gelöst. Für die Region Zofingen werden die kantonal festgelegten Schutzziele für den Hochwasserschutz im heutigen Zustand dagegen nicht eingehalten. Die Hochwasserereignisse der Jahre 2005 und 2007 zeigten, dass die Abflusskapazität des bestehenden Wigger-Gerinnes in dieser Region zu gering ist und den heutigen Schutzanforderungen nicht mehr genügt. Besonders die Bereiche um die Brücke Henzmannstrasse und das Bleicheareal in der Industriezone von Zofingen und Strengelbach sind am stärksten gefährdet und weisen das grösste Schadenpotential auf. Insgesamt beläuft sich die Schutzdefizitfläche auf mehr als 30 ha mit über 180 betroffenen Gebäuden.

Mit der Erstellung der Gefahrenkarte im Jahr 2007 wurden die vorhandenen Schwachstellen und Schutzdefizite aufgezeigt und auf hoher Flugebene definiert, welche Massnahmen für die Erreichung der Schutzziele notwendig sind. Im Rahmen einer ersten Studie wurden die grob skizzierten Massnahmen vertieft und rechnerisch überprüft. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass auch erhöhte Unterhaltsmassnahmen nicht ausreichen, um den geforderten Hochwasserschutz zu erreichen. Deshalb hat die Abteilung Landschaft und Gewässer des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden sowie dem Bundesamt für Umwelt das Projekt Hochwasserschutz Wigger erarbeitet.

Kombination von Massnahmen

Das übergeordnete Ziel des Hochwasserschutzes in Zofingen und Strengelbach ist, das Siedlungsgebiet gegen ein 100-jährliches Hochwasser zu schützen. Die im Projekt vorgesehenen Massnahmen bestehen aus einer Kombination von Ufererhöhungen, lokalen Gerinneaufweitungen und Sohlenabsenkungen. Durch die Verbreiterung des Gewässerraums erhält der Fluss wenigstens abschnittsweise wieder die Möglichkeit, seinen Lauf und die Ufer selbst zu gestalten, was in der Folge zu einer verbesserten Struktur- und Strömungsvielfalt mit neuen Lebensräumen für Fische und andere Wasserlebewesen führt.

Neben der ökologischen Aufwertung soll auch die Naherholungsfunktion der Wigger verbessert werden. Durch eine offenere Gestaltung des Gewässers mit flacheren Böschungen wird der Zugang erleichtert. Im Bereich der ehemaligen Trinkwasserfassung beim Bleicheareal, im Brüel und oberhalb des Aeschwuhrs sind bei drei weiteren Abschnitten Revitalisierungen vorgesehen. Im verhältnismässig langen Abschnitt, wo die Wigger zwischen Autobahn und Siedlungsgebiet "eingeklemmt" ist, sind nur technische Massnahmen zur Erhöhung der Uferlinie vorgesehen. Je nach örtlicher Situation werden der Uferweg angehoben oder kleine Dämme respektive kleine Schutzmauern erstellt.

Neubau des Aeschwuhrs nötig

Eine Besonderheit ist das inzwischen über 90-jährige Aeschwuhr, welches Wasser seit Jahrhunderten in den Aarburger Mühletych leitet, um es dort energetisch zu nutzen respektive in früheren Zeiten auch die angrenzenden Matten zu wässern. Die Wässermattenbesitzer und die Kraftwerkseigentümer sind in der Aeschwuhrgenossenschaft zusammengeschlossen, die auch die Eigentümerin von Wehr und Kanal ist. Um die Hochwassersicherheit der Industriezone zu gewährleisten, muss die bestehende Wehrschwelle um mindestens 1 Meter abgesenkt werden. Bei der durchgeführten Zustandsanalyse des Wehrs wurde festgestellt, dass sich das Bauwerk in einem schadhaften bis schlechten Zustand befindet und nicht saniert werden kann, sondern ein Neubau nötig ist. Die betroffenen Parteien – Eigentümer, Gemeinden und Kanton – vereinbaren für diesen Neubau einen separaten Kostenteiler. Entsprechende Zusicherungen sind gemacht worden.

Die Gesamtkosten für das Hochwasserschutzprojekt Wigger – inklusive Neubau Aeschwuhr – belaufen sich auf rund 12,6 Millionen Franken. Die Nettokosten für den Kanton betragen rund 2,9 Millionen Franken.

Zusammenhang mit Hochwasserereignis vom 8.7.2017 im Raum Zofingen

Das Hochwasserereignis vom 8. Juli 2017 im Raum Zofingen wurde durch einen Starkregen mit bis zu über 100 mm Niederschlag innert drei Stunden ausgelöst. Die grossen Schäden entstanden durch ausgetretenes Wasser und den mitgeführten Schlamm und Kies, durch oberflächlich zufliessendes Hangwasser und durch Rückstau in der Kanalisation.

Gemäss den bereits vorliegenden Ereignisdokumentationen kann davon ausgegangen werden, dass ein Niederschlagsereignis wie am 8. Juli 2017 im Raum Zofingen seltener als einmal in 100 Jahren auftritt. Zurzeit laufen in Bezug auf Stadt- und Dorfbach Zofingen Abklärungen, mit welchen Massnahmen sich die Abflusskapazität des Gesamtsystems optimieren lässt und ob die Gefahrenkarte Hochwasser angepasst werden muss. Das Projekt Hochwasserschutz Wigger (s. Haupttext) hat auf Unwettersituationen wie am 8. Juli 2017 nur einen kleinen Einfluss, indem die Abflusssituation an der Wigger verbessert wird.

 

Archivbild von soaktuell.ch

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