Letztes Mal war die Rede vom immer beliebter werdenden Online-Banking im Wertschriftengeschäft. Zur Spitzengruppe zählt da die bundeseigene PostFinance mit ihrem E-Trading-System, aus zwei Gründen. Erstens verlangte sie bis anhin keine Depotgebühren und zweitens hat sie sich handelsmässig eben mit Marktleader Swissquote zusammengetan. Ab 2017 wird PostFinance nun eine pauschale Depotgebühr von jährlich 90 Franken einführen, die aber mit Courtagen verrechnet werden kann.

von Maximilian Reimann, Nationalrat, Gipf-Oberfrick

Es war mir klar, dass die PostFinance mit ihrem kostengünstigen Geschäftsmodell für viele private Banken eine Provokation darstellt. Mit folgender Zuschrift hat das ein im Bankensektor tätiger Leser auf den Punkt gebracht: „Finden Sie es korrekt, was die PostFinance hier macht? Mit dieser Preispolitik verdient die Post doch kein Geld, dafür vernichtet sie Arbeitsplätze bei anderen Banken in der Schweiz. Als Steuerzahler bin ich nicht einverstanden, dass die Post Depotgebühren gratis anbietet, während sie für Briefe und Pakete immer mehr verlangt. Wettbewerb ist wichtig und richtig, aber mit einer Null-Gebührenpolitik wird doch genau dieser Wettbewerb verfälscht! Sollten nicht gerade Politiker wie Sie dagegen vorgehen?“

Sicher habe ich Verständnis für diese Kritik. Eines muss ich aber gleich vorweg klarstellen; eine Querfinanzierung innerhalb der Post wäre widerrechtlich und findet auch nicht statt. Aber sollte man Staatsbanken grundsätzlich verbieten, weil sie mit der Privatwirtschaft konkurrieren? Die Frage ist berechtigt, aber im Bankenbereich letztlich ein Streit um des Kaisers Bart. Warum? Weil damit direkt auch auf die Existenz der Kantonalbanken abgezielt wird. Bei diesen handelt es sich um echte Universalbanken und damit um weit mehr Konkurrenz, als sie von der PostFinance ausgeht. Eine grosse Mehrheit der Kantone wird ihre Staatsbanken niemals abschaffen.

Viele privatrechtlich strukturierte Banken sind am Verlust von Image und Kundschaft aber selber schuld. Und zwar nicht so sehr wegen der höheren Gebühren, als vielmehr wegen ihrer Salär- und Bonus-Politik. Es ist für viele Leute schlicht nicht nachvollziehbar, warum man in den Chefetagen vieler Finanzinstitute – und beileibe nicht nur bei den beiden Grossbanken – massiv höhere Bezüge abkassiert als in Industrie und Gewerbe!

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