An der Schweizer Börse sind nachrangige Anleihen von soliden Schweizer Finanzinstituten mit hoher Verzinsung und langer Laufzeit kotiert. Sie eignen sich aber nur für mutige Anleger.

von Maximilian Reimann

Zu diesen Finanzinstituten gehören die Banken Credit Suisse, Zürcher Kantonalbank, Valiant Bank und Raiffeisen Schweiz sowie die Versicherer Swiss Re und Swiss Life. Sie haben diesen speziellen Typ von Anleihen emittiert, um gemäss „Basel-III-Richtlinien“ der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Das heisst für den Anleger einerseits, er kassiert hohe Zinsen, ein echtes Plus im Vergleich zu den aktuellen Erträgen im Null-Rendite-Bereich. Andererseits trägt er aber auch ein hohes Risiko mit, denn die Anleihen sind nachrangig, d.h. sie können bei Insolvenz und Konkurs wertlos werden. Hier zwei Beispiele:

71/4 % Swiss Re: Laufzeit ewig, Kurs um 106 %

Prima vista ist das natürlich eine Superrendite. Doch lasse man sich dadurch nicht verblenden, denn nun komme ich auf die Tücken der Anlage zu sprechen. Diese Anleihe mit Valor-Nr. 14‘213‘204 hat gemäss Emissionsprospekt eine ewige Laufzeit, aber die Swiss Re kann sie einseitig kündigen, erstmals auf Ende 2017. Tut sie es nicht, kann sie den Zinscoupon neu festlegen, allerdings unter Wahrung eines Zinsaufschlages für das klar höhere Risiko gegenüber normalen Anleihen. Dieses Risiko liegt in besagter Nachrangigkeit. Im Konkursfall des Unternehmens werden alle anderen Gläubiger zuerst entschädigt. Erst dann folgen die Inhaber von nachrangigen Titeln. Mit einem Konkurs der Swiss Re ist auf absehbare Zeit natürlich nicht zu rechnen. Aber völlig ausschliessen darf man das schlechteste aller denkbaren Szenarien bei einem Rückversicherer trotzdem nicht. Nachrangige Anleihen entsprechen somit dem klassischen Anlagemuster von „hoher Rendite bei hohem Risiko“.

71/8 % Credit Suisse 2012-22, Kurs um 102 %

Im Gegensatz zum „ewigen“ Titel der Swiss Re handelt es sich bei dieser nachrangigen Anleihe der Credit Suisse mit Valor-Nr. 18‘111‘568 um eine der wenigen mit beschränkter Laufzeit, d.h. mit Fälligkeit per 22.03.2022. Zudem hat die Credit Suisse diese Anleihe über eine Tochtergesellschaft auf Guernsey begeben; sie ist also quellensteuerfrei und unterliegt nicht der Verrechnungssteuer. Auch hier sticht natürlich primär die Superrendite ins Auge. Aber gerade im Falle einer universell tätigen Grossbank sind die Risiken besonders hoch. Es wird immer wieder zu internationalen Finanzkrisen kommen. Die nächste erwarte ich im Gefolge der aktuellen Tiefzinspolitik, ausgelöst durch die Zentralbanken der USA, der EU und Japans, zwecks Reduktion der Zinsbelastung hochverschuldeter Staaten. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Von Finanzkrisen zuerst betroffen werden bekanntlich die Banken. Deshalb verstärken sie sukzessive ihre Eigenkapitalbasis, mit Kapitalerhöhungen, aber eben auch mit nachrangigen Anleihen. Faktisch entspricht solches Anleihekapital somit dem Aktienkapital. Gerade bei der Credit Suisse ist letzteres seit der Finanzkrise von 2008/09 drastisch unter die Räder gekommen. Der Aktienkurs stürzte von 95 auf 11 Franken ab.

Aktien oder nachrangige Anleihen?

Der geneigte Anleger mag sich nun fragen, ob es nicht besser sei, gleich in Aktien von Swiss Re, Swiss Life, Credit Suisse, Valiant Bank oder anderen Unternehmen zu investieren, die nachrangige Anleihen ausstehend haben? Man wisse dann zumindest, was man hat und müsse nicht noch komplexe, kleingedruckte Emissionsprospekte studieren. Kommt noch hinzu, dass nachrangige bzw. eigenkapitalähnliche Anleihen unter diversen Namen auf dem Markt sind, so etwa als CoCo-Bonds (Contingent Convertible Bonds), Perpetual Subordinate Notes, als Pflichtwandelanleihen oder als Tier1-Hybrid-Bonds. Je nachdem werden sie bei Eintritt bestimmter Negativereignisse direkt in Aktien umgewandelt oder die Zinsauszahlung fällt bei Dividendenausfall ebenfalls weg. Ich meine, wer grundsätzlich keine Aktien im Depot haben will, der meide auch diesen Typ von Anleihen.

Nur börsenkotierte Titel!

Wer als Anleger hingegen etwas mutiger und damit risikofreudiger ist, mag als Depotbeimischung durchaus auch nachrangige Anleihen in Betracht ziehen. Es sollten aber solche sein, die börsenkotiert und damit stets überwachbar sind und jederzeit wieder abgestossen werden können. Nebst dem hohen Coupon kann es auch signifikante Kursgewinne absetzen. So notierte obiger Swiss Re-Titel seit der Emission von 2012 zwischen 102 und 112 % und der Credit Suisse-Titel seit 2013 zwischen 97,5 und 111 %. In dieser Zeitspanne hat man mit den Coupons hohe Erträge eingefahren. Nach unten bestand natürlich besagtes Abwärtsrisiko; es ist vorläufig aber nicht manifest geworden. Uneingeschränkt aufwärtsgehen, auch das ist klar, kann es jedoch nur im „Aktien-Zug“. Aber dieser Optimismus stellt sich mir angesichts der aktuellen Welt- und Europapolitik sowie der Wirtschafts- und Währungslage nicht ein.

 

25.06.2016 | 7864 Aufrufe

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