Das Erbrecht in der Schweiz steht vor einer grösseren Revision. Erneut soll es den geänderten Lebensverhältnissen angepasst werden. Spätestens ab Alter 60 sollte man sich vertieft mit der recht komplizierten Materie zu befassen beginnen.

von Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Am 10. Dezember 2007 fand im Nationalratssaal aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) ein würdiger Jubiläumsanlass statt. Das ZGB stammte zur Hauptsache aus der Feder des Zürcher Rechtsprofessors Eugen Huber und überdauerte die ersten 100 Jahre mit Bravour. Einen der vier ZGB-Teile bildet das Erbrecht. Die Lockerung der familiären Verhältnisse macht nun eine weitere Revision notwendig. Sie soll den Erblassern mehr Spielraum bringen, wie etwa tiefere Pflichtteile, bessere Begünstigung von unverheirateten Lebenspartnern und Stiefkindern, sowie die Abfassung von Nottestamenten mittels elektronischer Geräte ohne Zeugenpräsenz.

Gefragter VZ-Kundenanlass in Rheinfelden

Ob nach bestehendem oder alsbald nach revidiertem Erbrecht, der Wissensbedarf nach zeitgerechter, optimaler und makelloser Nachlassplanung ist gross. Das zeigte sich jüngst auch an einem Kundenanlasse der Rheinfelder Niederlassung des VZ-VermögensZentrums. Die VZ Holding ist übrigens seit 2007 börsenkotiert, mit solider Kurs-Performance. Um mich in Finanz- und Vermögensfragen à jour zu halten, nahm ich am Anlass ebenfalls teil. Vgl. dazu mein Kurz-Interview mit dem Rheinfelder VZ-Chef Thomas Muggler. Die rege Teilnahme sprach für sich. Das Interesse an einer optimalen Erbschaftsplanung nimmt mit zunehmendem Alter erwartungsgemäss zu. Falsch wäre es, die Sache auf die lange Bank zu schieben. Eine umsichtige Planung führt schliesslich zu einer Weitergabe des Vermögens, wie man es sich zu Lebzeiten wünscht, verhindert potenziellen Streit unter Erben und vermeidet u.U. unnötig hohe Erbschaftssteuern.

Auch an Willensvollstreckung denken

Sinnvoll und zweckmässig ist es zudem, die Frage nach der Einsetzung eines Willensvollstreckers rechtzeitig zu prüfen und zu klären. Das kann eine Einzelperson wie ein naher Verwandter, Erbe oder Freund sein, aber auch eine Institution wie eine Anwaltskanzlei oder eben eine VZ-Niederlassung. Die Person bzw. Institution sollte sich in Geldanlagen, Steuern, Liegenschaftswesen, Versicherungen und im Erbrecht auskennen, unabhängig sein, aber auch von den künftigen Erben möglichst gut akzeptiert werden. Die Erben sind mit der Erbteilung nämlich oft überfordert, selbst wenn der Erblasser seinen Nachlass in einem Testament oder Erbvertrag geregelt hat.

Bei dieser Gelegenheit rufe ich wieder einmal ein Fachbuch in Erinnerung, das in der Schweiz wohl den Umsatzrekord hält und aus fricktalischer Feder stammt. Es ist der Ratgeber „Testament, Erbschaft“ aus dem Beobachter-Verlag, verfasst von Dr. Benno Studer, mit Anwalts- und Notariatspraxen in Laufenburg, Frick und Möhlin. Bereits ist die 16. Auflage im Verkehr. Und wenn das revidierte Erbrecht in Kraft treten wird, wird auch Studers nächste bereinigte Auflage zur Verfügung stehen. Bei der Lektüre einer solchen Fachschrift stellen sich einem zumeist die wesentlichen Fragen, die es dann mit kompetenter Hilfe anzugehen und zu lösen gilt.

Nachgefragt beim Rheinfelder VZ-Chef

Hat VZ-Rheinfelden seit dem Informationsanlass vom 5. April einen erhöhten „Auftragsbestand“?

Thomas Muggler: Solche Anlässe helfen sehr, die persönlichen Bedürfnisse zu erkennen. Viele Teilnehmer wünschen eine Vertiefung und beauftragen uns, passende Lösungen mit ihnen zu erarbeiten. So war es auch diesmal.

Mit welchen Honorarkosten hat man zu rechnen für fundierte Beratung bis hin zum konkreten Testamentsentwurf samt Regelung der Willensvollstreckung?

Muggler: Das hängt von der individuellen Ausgangslage ab. Am Anfang steht jeweils ein kostenloses, unverbindliches Erstgespräch über die persönliche und finanzielle Situation. Je nach Anzahl und Komplexität der Fragen ist der konkrete Beratungsaufwand dann unterschiedlich.

Was sind die grössten individuellen Fehler und Unterlassungssünden, die Sie rund um das Erbschaftswesen orten?

Muggler: Die meisten schieben die Erbschaftsplanung auf die lange Bank. Doch ohne rechtzeitige Absicherung kann der überlebende Ehepartner leicht in finanzielle Bedrängnis geraten. Im schlimmsten Fall muss er das gemeinsame Eigenheim verkaufen, um seine fixen Ausgaben zu senken oder die Kinder auszuzahlen. Neben dem Testament ist häufig ein Ehe- oder Erbvertrag nötig, um sich gegenseitig optimal zu begünstigen.

Vermag die bevorstehende Erbrechtsrevision schmachvolle Erbstreitereien nachhaltig zu reduzieren?

Muggler: Die Revision soll das Erbrecht flexibler machen und den heutigen Lebensumständen anpassen. Eine Prognose ist aber schwierig, solange der Gesetzestext noch nicht feststeht.

 

23.05.2016 | 11296 Aufrufe

Kommentare

Avatar
Sicherheitscode