Die "Solothurner Zeitung" oder etwa die "Aargauer Zeitung" verlieren online fast jeden dritten Smartphone-Besucher, weil ihre Websites zu lange laden. "20 Minuten", "Soaktuell.ch" oder "Watson" sind hingegen top. Solche Zahlen errechnet das neue Google-Tool «Test My Site», das seit Donnerstag kostenlos nutzbar ist.

von Martina Gloor

Die Redaktion von soaktuell.ch hat die mobilen Webseiten von "Solothurner Zeitung", "Aargauer Zeitung", "NZZ", "Tages-Anzeiger", "20 Minuten", "Blick" und "Watson" zur Spitzenzeit zwischen 08-09 Uhr mit dem neuen Google-Tool auf Herz und Nieren geprüft. «Test My Site» misst die Ladegeschwindigkeit von Webseiten auf Mobilgeräten und gibt nebst der Auswertung auch Tipps, um den Ladevorgang zu verkürzen. Die Messungen von Google basieren auf konservativen Annahmen, wie die Simulation einer langsamen 3G-Verbindung beim Test beweist.

«Geschwindigkeit ist zentral, denn die Zukunft ist mobil», konstatiert Maurice Thiriet, Chefredaktor des Newsportals Watson, gegenüber dem Klein Report. Diese Erkenntnis schlägt sich im Google-Test nieder: Watson.ch braucht gemäss «Test My Site» nur fünf Sekunden Ladezeit. In dieser kurzen Zeit könnten laut Google bereits 19 Prozent der Besucher die Seite vorzeitig verlassen.

Auch unsere Internet-Zeitung soaktuell.ch schneidet beim mobilen Zugriff gut ab. Wie bei "Watson" braucht auch sie nur fünf Sekunden Ladezeit und riskiert so nur 19 Prozent der Besucher.

Schlecht schneiden dagegen der «Tages-Anzeiger» und die "NZZ" ab: Bei beiden mobilen Webseiten beträgt die Ladezeit ganze zehn Sekunden - somit riskieren sie selbst nach konservativer Schätzung über 30 Prozent Besucherverlust. 

Während der "Blick" mit sechs Sekunden Ladezeit mittelmässig abschneidet, brilliert die Website von "20 Minuten" mit der schnellsten mobilen Ladezeit von vier Sekunden. Damit riskiert "20 Minuten" nur etwa 10 Prozent der Besucher zu verlieren. 

Schlecht auch die Ladezeiten für Zugriffe mit Mobilgeräten auf die Website der "Aargauer Zeitung". Mit 9 Sekunden Ladezeit riskiert diese 29 Prozent der potenziellen Besucher zu verlieren. Die "Solothurner Zeitung" kommt mit 8 Sekunden Ladezeit für einen Zugriff über ein Mobilgerät ebenfalls nur auf ein knapp genügendes Resultat. 

Die Ergebnisse können je nach Testzeitpunkt und aktueller Serverbelastung um +/- eine Sekunde variieren.

Kein Zufall

Der Grund, weshalb reine Online-Portale wie "20 Minuten", "Watson" oder "Soaktuell.ch" besser abschneiden, als Internet-Auftritte von Tageszeitungen, liegt in der Herkunft und anderen Denkhaltung der Mitarbeitenden. Die immer noch stark "papierorientierten" Internet-Auftritte von Tageszeitungen werden oftmals mit viel zu grossen Grafik- oder Bilddateien gefüttert, während reine Online-Portale die Bilder und Grafiken auf ein Minimum reduzieren. Greift jemand über einen Desktop-Computer mit einem Highspeed-Anschluss auf ein solches Medienportal zu, spielen grosse Grafiken keine Rolle. Bei mobilen Zugriffen hingegen - etwa vom Smartphone oder Tablet-Computer aus - verlangsamen zu viele grosse Grafiken die Ladezeit oft unerträglich. Die potenziellen Besucher springen ab. 

Nicht so bei "Watson", welches praktisch für eine mobile Nutzung konzipiert wurde. Bei "20 Minuten" sorgte nach Angaben des Tamedia-Verlages ein "Entschlackungs-Projekt" im vergangenen Jahr für schnellere Ladezeiten. Und die Software von "Soaktuell.ch" ist so ausgelegt, dass die mobile Darstellung immer Vorrang hat. Zu grosse Grafiken oder Dateien, welche die mobile Ladezeit verlängern, können hier gar nicht erst hochgeladen werden. Roman Jäggi, Inhaber der Internet-Zeitung soaktuell.ch: "Auch bei Internet-Medien ist weniger mehr. Bei uns stehen die redaktionellen Inhalte und die Werbung der Hauptsponsoren im Vordergrund - alles andere ist zweitrangig oder wir bieten es erst gar nicht an. So sinken einerseits die Betriebskosten und die Ladezeiten."

 

Grafik: Screenshot Test My Site von Google

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