An der Schweizer Börse sind einige quellensteuerfreie österreichische Bankanleihen kotiert, mit kurzen Restlaufzeiten und überdurchschnittlich hohen Renditen. Soll man zugreifen?

von Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Hält die aktuelle Tiefzinsphase, mit bizarren Negativzinsen für hohe Beträge, weiterhin an? Geht es nach dem Willen der Schweizerischen Nationalbank, ist dem so, denn nur mit einer konsequenten Tiefzinspolitik kann der weltweiten Spekulation auf weitere Höherbewertung des Schweizerfrankens entgegenwirkt werden. Währungspolitik ist ein wichtiges Element der Wirtschaftspolitik.

Trendwende USA?

In den USA scheint sich der Zinstrend nach einer 10-jährigen konstanten Phase nach unten letzte Woche gewendet zu haben. Erstmals erfuhr der Leitzins wieder eine Erhöhung, nämlich von 0 auf 0,25 %. Wird die Europäische Zentralbank nachziehen und das Zinsniveau beim Euro ebenfalls leicht erhöhen? Man weiss es nicht, denn die hochverschuldeten EU-Staaten ertragen kaum höhere Schuldzinsen. Entsprechend dürfte auch das Zinsniveau in der Schweiz weiterhin um null herum verharren, zum Verdruss der vielen Sparer und Anleger. Einziger Lichtblick ist die negative Inflationsrate, die zumindest indirekt und steuerfrei etwas Rendite bewirkt. Aber geht es mit den Benzin- und Heizölpreisen wieder hinauf, wird es auch mit der Negativinflation alsbald vorbei sein.

Lichtblick aus Österreich

Wer den CHF-Anleihensmarkt durchforstet und nach Anlagen sucht, die noch angemessene Renditen abwerfen, stösst auf folgende Titel aus unserem östlichen Nachbarland:

  • 2 3/8 % Kommunalkredit Austria, Wien, Laufzeit bis 15.03.2017
  • 2 3/8 % Hypo Tirol, Innsbruck, Laufzeit bis 13.09.2017
  • 1 3/8 % Landesbank Vorarlberg, Bregenz, Laufzeit bis 25.07.2018

Alle drei Banken wurden von der Finanzkrise 2008/09 hart getroffen, stehen dank staatlicher Hilfe und Nähe zur öffentlichen Hand heute aber wieder ordentlich da. Noch ist ihre Bonität aber nicht über alle Zweifel erhaben und deshalb notieren die Börsenkurse in einer Bandbreite von 99 – 101 %. Das ergibt Renditen für die kurzen Restlaufzeiten, die deutlich über dem Durchschnitt liegen.

Bank- und Börsenkosten nicht vergessen!

Wer sich für Käufe obiger Titel interessiert, sollte mit Kauflimiten knapp unter 100 % operieren. Bei Online-Depots ist das einfach, bei konventionell gemanagten Bankdepots etwas komplizierter. Bei limitierten Kaufaufträgen braucht es aber stets Geduld; alle Aufträge bringt man zeitgerecht kaum durch. Ausserdem gilt es die Spesen zu beachten. Bei kurzen Laufzeiten spielt es natürlich eine Rolle, ob einem für die Transaktion 0,3 % oder 0,8% an Courtage belastet wird; oder ob die Depotgebühr null wie der PostFinance oder 0,2 % wie bei vielen anderen Banken beträgt. Mit besagten Anleihen kann man somit gut und gern noch Jahresrenditen von 2 % einfahren. Und sollte alsbald die grosse Zinswende auch im CHF-Sektor kommen, dann ist man mit diesen Titeln nur kurze Zeit gebunden.

30.12.2015 | 7943 Aufrufe

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