Niemand ist fehlerfrei. Selbst wer nichts tut, kann Fehler machen. Gerade bei der Geld-Anlage kann sich Nichtstun nämlich gehörig rächen.

von Maximilian Reimann

Geld anlegen will gekonnt sein. Mit Können, Erfahrung und zusätzlich einer Prise Glück fährt man in der Regel gute Renditen ein, sei es in Form von Direkterträgen oder mittels Kapitalgewinn. Aber es kann auch anders kommen, vor allem in schlechten Börsenphasen. Dagegen sollte man sich wappnen. Doch das ist schneller gesagt als gemacht. Deshalb heute ein Blick auf einige der grössten Fehler und Unterlassungssünden, die von Anlegern – mit oder ohne professioneller Beratung – begangen werden.

Sich von Börsentipps verblenden lassen

Das ist einer der verbreitetsten Fehler, der von Anlegern begangen wird. Jedenfalls bekommt man diesen Eindruck, wenn man sich durch die Kommentare vieler leidgeprüfter Anleger im Internet zappt. Man vertraut zu sehr auf heisse Tipp in Börsenbriefen oder Zeitungsspalten. Da werden oft Nebenwerte hochgejubelt und Mitläufer zum Kauf animiert. Dann steigen die Anreisser aus und die Letzten „beissen die Hunde“. So etwa heuer erlebt mit dem innovativen Finanzdienstleistungsunternehmen Leonteq. Dessen Börsenkurs lag vor zwei Jahren um 50 Franken. Dann wurde Leonteq hochgejubelt. Der Aktienkurs schoss rasch auf 230 Franken hoch und sackte dann innert weniger Monate wieder unter 80 Franken ab. Solche Beispiele gibt es zu Hauf! Vermeintliche Geheimtipps, die gar auf Insiderinformation beruhen sollen, sind mit grösster Vorsicht zur Kenntnis zu nehmen.

Nicht mit Verlust verkaufen können

Wenn es an der Börse nach oben geht, ist die Anlagewelt in Ordnung. Geht es aber in die andere Richtung, dann verlieren Anleger oft schnell den Kopf. Ein probates Mittel, um Verluste zu minimieren, ist das Setzen von Stopp-Loss-Limiten. Diese kann man sich im Kopf setzen oder seine Bank damit beauftragen. Am flexibelsten ist man aber, wenn man sein Depot online führt und Verkaufslimiten gestaffelt setzt. Nur sollte man sich dann auch daran halten. Man muss eben auch mal mit Verlust verkaufen können. Häufig sind erste Verluste diejenigen, die am wenigsten schmerzen. Natürlich kann man auch die Strategie verfolgen, auf tieferem Niveau sog. Verbilligungskäufe vorzunehmen. Das setzt aber liquide Reserven voraus. Doch auch Verbilligungskäufe entbinden nicht vor Absicherungslimiten. Niemand kennt den unteren Wendepunkt einer Anlage, ja überhaupt, ob es bei gewissen Titeln wieder nach oben geht. Man schaue sich an der Schweizer Börse nur mal Titel wie Züblin Immobilien, Orascom, Meyer Burger, Schmolz+Bickenbach, Schlatter, Swissmetal oder Swisslog bis zur Übernahme durch Kuka näher an. Natürlich sind auch hier Turn-arounds durchaus denkbar. Zu einem Grounding à la Swissair muss es keineswegs kommen.

Hin und her macht Taschen leer

Damit meine ich konzeptloses Umsteigen von einer Anlage in die andere, vornehmlich im Aktienbereich. Wer sich auf das Aktienparkett begibt, sollte eine klare Strategie haben. Dazu gehört eine auf die unterschiedlichen Börsenzyklen abgestimmte maximale Aktienquote, der Verzicht auf zu starke Verzettelung in Einzelaktien sowie die Berücksichtigung von spesengünstigen Indexfonds. Wer selber dazu nicht in der Lage ist, sollte professionellen Support in Anspruch nehmen. Zum Fehlverhalten zählt auch der zu frühe Verkauf von Aktien, die in der Gewinnzone liegen. Häufig würde es genügen, die Stopp-Loss-Limiten einfach nach oben nachzuziehen. So kommt man auch nicht in Versuchung, zu früh verkauften Aktien nachzurennen und sie auf höherem Niveau zurückzukaufen. Das alles verschlingt viel an Börsengebühren und Stempelabgaben, mit entsprechendem Druck auf die Performance.

Anlagen auf Pump

Mit geborgtem Geld würde ich keine Wertschriften erwerben, selbst wenn die Dividenden derzeit deutlich über den Schuldzinsen liegen. Mögen noch so viele „Börsengurus“ prahlen, wie viel sie mit zinsgünstigen Wertschriftenkrediten unter dem Strich verdient haben, das Risiko bei einem Kurssturz, wie wir es in den letzten Wochen erlebt haben, ist für den Normal einfach zu hoch. Die Ausnahme ist natürlich der Hypothekarkredit zur Finanzierung seines Eigenheims. Aber man beachte das Währungsrisiko, wenn man mit Schweizerfranken Immobilien im Ausland finanziert. Gebrannte Kinder waren zum Beispiel jene ungarischen Wohneigentümer, die nach der Wende mit zinsgünstigen CHF-Hypotheken ihre Anwesen in Ungarn finanzierten. Die massive Aufwertung des Frankens hat ihnen seither einen bösen Strich durch die Rechnung gemacht.

Schlussfolgerung:

Ich habe mich auf vier Kardinalfehler beschränkt. Daneben gibt es noch viele andere. Aus den Fehlern kann man lernen. Aber noch besser ist es, man versucht sie möglichst zu vermeiden. Das lässt sich sicher leicht sagen. Aber wer keine Grundkenntnisse vom Anlagewesen hat, ja oft nicht einmal weiss, was er eigentlich erworben hat, der lasse doch eher die Finger davon!

20.02.2016 | 7349 Aufrufe

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