Generation Nesthocker: Junge Erwachsene sind immer länger im Hotel Mama zu Gast. comparis.ch hat in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden, wieso die Schweizer Nesthocker das Zusammenleben mit den Eltern einer eigenen Wohnung vorziehen. Überraschenderweise wohnt fast die Hälfte der Nesthocker gratis, und knapp jeder dritte zu Hause lebende Mann bleibt im Elternhaus, um sich nicht an der Hausarbeit beteiligen zu müssen.

comparis.ch

Wohnt man noch im Elternhaus, scheint es fair, sich an gewissen Haushaltskosten zu beteiligen. Experten raten allen Eltern, einen Kostenanteil bei ihren erwachsenen Kindern einzufordern. Die Umfrage von comparis.ch zeigt jedoch, dass sich fast jeder zweite Nesthocker (45 Prozent) nicht an Kosten für die Miete oder den Einkauf beteiligt. 19 Prozent unterstützen den Haushalt mit 100 bis 300 Franken pro Monat und 14 Prozent steuern weniger als 100 Franken bei. Diese Tatsache scheint die Eltern nicht zu stören, denn gemäss Angabe der befragten Nesthocker findet es die Mehrheit (67 Prozent) der Eltern in Ordnung, dass das Kind noch zu Hause wohnt. Auch Konflikte gibt es offenbar in vielen Nesthocker-Haushalten (52 Prozent) selten bis gar nie.

Männer bleiben im Hotel Mama, weil sie nicht kochen oder putzen wollen

Fast ein Viertel der Befragten (22 Prozent) wohnt aus Bequemlichkeit zu Hause, weil sie nicht kochen oder putzen möchten. Signifikant ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Mit 28 Prozent schätzen vor allem Männer den Vorteil, sich nicht an der Hausarbeit beteiligen zu müssen, und checken deshalb nicht aus dem Hotel Mama aus. Dies ist bei nur 16 Prozent der noch zu Hause lebenden Frauen der Fall. Männer warten auch eher auf eine Partnerin, mit der zusammengezogen werden kann (25 Prozent), während dies nur 12 Prozent der Frauen tun.

Über ein Viertel der 20-29-jährigen wohnt noch bei den Eltern

27 Prozent der Befragten im Alter von 20 bis 29 Jahren gaben an, noch zu Hause bei den Eltern zu wohnen. Diejenigen, die bereits ausgezogen sind, haben ihr Elternhaus im Durchschnitt mit 21 Jahren verlassen, um auf eigenen Beinen zu stehen (45 Prozent) oder mit dem Partner oder der Partnerin zusammenzuziehen (32 Prozent).

Die meisten Nesthocker können sich keine eigene Wohnung leisten

Als häufigsten Grund für den Aufenthalt im Hotel Mama nennen die befragten Nesthocker, sich keine eigene Wohnung leisten zu können (68 Prozent). Dies ist in allen Altersklassen der Hauptgrund: Bei den 18-19-jährigen sind es 78 Prozent, bei den 20 bis 24-Jährigen 69 Prozent und bei den 25 bis 29-Jährigen noch 49 Prozent. «Die hohen Mietpreise und die Wohnungsknappheit gerade in Universitätsnähe tragen dazu bei, dass Studenten das günstige Elternhaus vorziehen. Nur rund 16 Prozent der 20 bis 29-Jährigen wohnen in einer klassischen WG, während mit 27 Prozent deutlich mehr Personen in dieser Altersgruppe das Elternhaus bevorzugen», erläutert Nina Spielhofer, Mediensprecherin Immobilien & Wohnen von comparis.ch und fügt an: «Wie die vorliegende Studie zeigt, ist das Elternhaus die günstigste Option mit den meisten Annehmlichkeiten und kommt dem Wusch nach einer flexiblen Lebensgestaltung mit wenigen Verpflichtungen am besten entgegen».

Kein Geld für die Miete wegen Ausbildung, zu geringem Einkommen, Arbeitslosigkeit und Ausgaben für Luxus

Das Geld für eine eigene Wohnung ist hauptsächlich aufgrund einer Ausbildung oder eines Studiums (55 Prozent der Nesthocker) nicht vorhanden. Weitere Gründe sind ein zu geringes Einkommen (26 Prozent) und Arbeitslosigkeit (6 Prozent). Interessant: Ebenfalls 6 Prozent der befragten Nesthocker geben an, sich keine eigene Wohnung leisten zu können, weil sie auf einen gewissen Luxus wie teure Kleider, Ferien, Ausgang etc. nicht verzichten möchten.

 

Die Befragung wurde im April 2017 durch das Marktforschungsinstitut Innofact AG im Auftrag von comparis.ch in allen Regionen der Schweiz durchgeführt und ist repräsentativ für Personen, die noch bei den Eltern oder einem Elternteil wohnen. Befragt wurden 1‘067 Personen im Alter von 18 bis 40 Jahren, die noch zuhause wohnen.

 

Symbolbild von Kurt Bouda / pixelio.de

 

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