Eines vorne weg: Ich kenne den zu wählenden Amtsgerichtspräsidenten nicht persönlich, habe nie Negatives über ihn vernommen, bin zudem sicher, dass er das Amt gut führt und werde ihm auch gerne meine Stimme geben. Dieser Leserbrief soll daher auf keinen Fall als persönlicher Angriff auf den Amtsinhaber aufgefasst werden.

Urs Berger, Oberbuchsiten

Was mich aber etwas belustigt, ist die „Volkswahl“ des Amtsgerichtspräsidenten. Da flattert dem Wähler ein Zettel ins Haus, auf dem steht „Es ist nur der aufgeführte Kandidat wählbar“. Es gibt nicht mal ein “Den will ich nicht - Feld“ zum ankreuzen. Wie verhielte ich mich aber, wenn ich den Kandidaten nicht (mehr) wählen möchte? Wahl boykottieren? Nützt nichts: Selbst wenn nur drei Prozent der Bevölkerung wählen gehen, so erhielte der Kandidat trotzdem >99% der abgegebenen Stimmen.

Oder leer einwerfen, damit der Kandidat im ersten Wahlgang das absolute Mehr nicht erreicht? Das wäre tatsächlich die wahltechnisch korrekte Methode, steht aber vorsichtshalber so nicht auf dem Wahlzettel.

Immerhin ist die Kandidatenliste nicht vorausgefüllt und man darf den Namen des zu Wählenden noch eigenhändig einsetzen. Eine echte „Volkswahl“ eben! Ich weiss, der Amtsinhaber muss vom Volk gewählt werden, so will es das Gesetz. Aber da weht ziemlich viel warme Luft durch den administrativen Blätterwald des Kantons, ein Aufwand den man sich bei einer Einerkandidatur eigentlich sparen könnte. Auch wenn das Bundesgericht dieses solothurnische Wahlverfahren kürzlich als demokratietauglich erklärt hat: Irgendwie erinnert mich die Geschichte an eine „russische“ Wahl, obschon selbst die jeweils mehrere Kandidaten haben… 

10.05.2017 | 6421 Aufrufe

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