Seit anfangs Woche steht der gescheiterte Basler Finançier Dieter Behring vor Bundesstrafgericht. Mit seinen anrüchigen Anlageprodukten steht er aber längst nicht allein.

von Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Doch auf dass es von Anfang klar ist: Für Dieter Behring gilt bis zur rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Es wird noch Monate dauern, bis darüber Klarheit besteht. Vorgeworfen wird ihm ein betrügerisches Anlagesystem zum Nachteil von 2‘000 Kunden im Gesamtschaden von 800 Millionen Franken. Allein elf Jahre dauerten die Abklärungen durch die Bundesanwaltschaft. So kompliziert erweist sich die Materie und entsprechend langwierig ist die Beweisermittlung.

Gewinnaussichten machen blind

Durch Mund-zu-Mund-Propaganda wurde im Fall Behring die Botschaft in Gang gesetzt, er erziele dank einem sicheren, computergestützten Anlagesystem wesentliche höhere Renditen als im konventionellen Anlagegeschäft. Selbst die Finanzkrise von 1999/2000, die den Index der Schweizer Aktienbörse von 8‘400 auf 3‘500 Punkte abstürzen liess, soll das System Behring mit Gewinn überstanden haben. Die Vermittler kassierten happige Provisionen, die Kundengelder flossen, die Gewinnversprechen machten offensichtlich blind. Viele Anleger vertrauten einfach dem System und kümmerten sich nicht um die Details ihrer Investments. Die Anklageschrift spricht von einem virtuellen Scheingebilde, was am ehesten mit dem berüchtigten Schneeballsystem zu vergleichen ist. Gewinne werden durch die Einlagen neuer Kunden gedeckt. Irgendeinmal stockt dann aber der Neugeldzufluss. Der Zusammenbruch ist vorprogrammiert.

Keine Investments in unbekannte Anlagen!

Analoge Systeme, die auf dem Schneeballprinzip beruhen, hatten wir seit eh und je. Man erinnere sich nur etwa an den EKC, den European Kings Club von Damara Bertges, der 1994 mit einem Verlust von 1,6 Milliarden Franken zusammenbrach und in der Schweiz vor allem in den Kantonen Uri und Glarus grosse Finanzlöcher hinterliess. Den höchsten mir bekannten Verlust resultierte aus dem Madoff-Skandal, wo im Jahre 2008 ein vermeintlich sicherer US-Hedgefonds kollabierte und ein Loch von 65 Milliarden Dollars hinterliess. Offen ist weiterhin, was konkret im Falle der 2012 zusammengebrochenen ASE Investment AG, Frick, vor sich gegangen war. Immerhin hatte hier die als Depotbank fungierende Basler Kantonalbank bereits eine Teilentschädigung von 50 Mio. Franken entrichtet.

Doch auch künftig wird es, so sicher wie das Amen in der Kirche, zu ähnlichen Anlagebetrügereien kommen. Sie können sich auf Sparflamme abwickeln und müssen nicht gleich Dimensionen eines Madoff, EKC, Behring oder ASE annehmen. Wer sich dagegen wappnen will, der halte sich eisern ans Gebot, niemals in etwas zu investieren, was er nicht kennt. Für mich persönlich gilt das selbst für die börsenkotierten Anlageempfehlungen des „Börsengurus“ einer Sonntagszeitung. Aber Aktien von mir unbekannten Firmen wie Fiserv, Broadridge Financial, Salmar, Albermale oder Leroy Seafood schmecken mir grundsätzlich nicht!

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