Das Basler Newsportal barfi.ch soll nach nur zwei Jahren bereits um seine Existenz bangen, berichtet die «Tageswoche». «Wir schreiben zurzeit noch rote Zahlen», bestätigt Christian Heeb, Verwaltungsratspräsident des Basler Onlineportals barfi.ch, am Dienstag auf Anfrage von persoenlich.com. Das ist nicht untypisch. 

von Roman Jäggi, Inhaber Internet-Zeitung soaktuell.ch

Als unsere Internet-Zeitung soaktuell.ch an den Start ging, gab man unserem Online-Projekt kaum Kredit und sagte uns seither tausendfach tot. Heute, sechs Jahre später, sind wir immer noch da. Und soaktuell.ch schreibt schwarze Zahlen. 

In der Zwischenzeit sind einige Mitbewerber im Online-News-Markt mit viel Vorschusslorbeeren gestartet - und wieder verschwunden. 

Die meisten Internet-Zeitungsprojekte machen in der Anfangsphase die gleichen Fehler. Sie starten mit einem potenten Verwaltungsrat oder Geldgeber, viel Kapital und stellen teure Leute ein für die journalistische Arbeit. Sie beziehen modern ausgerüstete Büros an guten Lagen. Inhaltlich wird ab erster Stunde ein Vollangebot realisiert und zwar an 365 Tagen im Jahr, natürlich mit vielen exklusiven Geschichten, Bildern und Videos. Generiert werden sollen möglichst rasch hohe Besucherzahlen, viele Seitenaufrufe und Unique Clients sowie Follower auf Facebook oder Twitter. Das alles zusammen kostet bloss Geld - bringt aber noch keinen Rappen Einnahmen. 

Letztlich gibt es nur ein einziges Kriterium, welches darüber entscheidet, ob eine Internet-Zeitung oder ein Online-Portal überlebt. Es sind die Einnahmen, welche mindestens die Ausgaben decken müssen. Darin unterscheidet sich eine Internet-Zeitung nicht von einer Bäckerei oder einem Restaurant. Es müssen Geld verdient und Kosten möglichst verhindert werden. Alles andere ist zwar nett, aber was nicht rentiert, ist trotz noch so kreativen Finanzierungsmodellen früher oder später weg vom Markt.

Das Team von barfi.ch scheint dies noch nicht wirklich realisiert zu haben. Anstatt sich vom inhaltlichen Vollangebot zu lösen und auf bestimmte Themengebiete zu fokussieren, um Personal abzubauen, Kosten zu sparen und langfristig zu überleben, sucht man immer noch Investoren, Geldgeber, Sponsoren oder grosse Inserenten, um sich wieder ein paar Monate über die Runden zu retten, bis das alte Problem wieder akut wird. 

Auch wir bei soaktuell.ch mussten lernen und haben nicht alle, aber einen Teil dieser Fehler zu Beginn ebenfalls begangen. Doch sie wurden rasch korrigiert. Heute bieten wir inhaltlich nicht mehr alles an, verzichten bewusst auf kostenintensive Bildergalerien oder Teilnahmen an jeder "Hundsverlochete". Das sollen diejenigen Medien tun, die für ein Abonnement mehrere hundert Franken jährlich kassieren. Heute verdient die Internet-Zeitung soaktuell.ch zuerst das Geld und macht sich erst dann Gedanken darüber, welchen Bereich man mit diesem Geld optimieren oder ausbauen könnte. Dies natürlich in einem bescheidenen personellen Umfang.

Das schöne daran ist: Die Besucherzahlen von soaktuell.ch sind in den sechs Betriebsjahren kontinuierlich weiter gestiegen - denn unsere Leserinnen und Leser haben an unsere kostenlose Online-Plattform andere Erwartungen als an die Online-Plattformen abonnierter Tageszeitungen.

Im Gegensatz zu barfi.ch, watson.ch oder anderen Online-Medien - bei denen die Ertrags- und Kostenfrage früher oder später brutal gestellt wird - ist die Internet-Zeitung soaktuell.ch inhaltlich und finanziell wirklich unabhängig und ohne jeglichen Druck. Obwohl wir klein sind, stehen wir offensichtlich sicherer auf den Füssen, als die vermeintlich Grossen. 

 

Illustration Screenprint brafi.ch

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