Selbst wenn ein Vater oder eine Mutter einem Kind Konto- und Depot-Vollmacht mit Wirkung ausdrücklich über den Tod hinaus einräumt, ist der Zugriff nach dem Tod praktisch eingefroren.

von Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Vorliegender Einzelfall geht zurück auf die 80-er Jahre. Da richtete ein fürsorglich weitblickender Vater zugunsten seiner Tochter ein Bankkonto mit einem stattlichen Anfangsbetrag ein. Das Konto lautete auf den Vater mit Vollmacht über den Tod hinaus zugunsten der Tochter. Es sollte für sie Sicherheit und Reserve sein, falls ihr finanziell mal Probleme willfahren sollten. Dazu wurde eine Bank in einem Nachbarkanton ausgewählt, mit Instruktion „banklagernd“, was die Geschäftskorrespondenz anbetrifft. Konto und Depot generierten regelmässige Erträge, allerdings am Fiskus vorbei, denn die Bankbeziehung wurde nicht deklariert.

Zäsur nach Ableben des Vollmachtgebers

Die mit väterlicher Vollmacht ausgestattete Tochter machte kaum Gebrauch von dieser Finanzreserve. Erst Jahre nach dem Tod des Vaters ging sie zur Bank und wollte etwas Geld abheben. Dort fragte man sie, ob der Vater noch lebe. Als sie verneinte, bekam sie zur Antwort, das Konto müsse vorsorglich gesperrt werden. Das Eigentum an Konto und Depot sei auf die Erben übergegangen und ohne Klarheit über die neue Situation dürfe die Bank keine Rückzüge erlauben. Die Kundin musste der Bank einen Erbschein präsentieren sowie eine autorisierte Bestätigung aller berechtigten Erben, dass sie weiterhin darüber verfügen dürfe. Die Vollmacht „über den Tod hinaus“ erwies sich faktisch als wertloses Stück Papier…

Wie weiter?

Zunächst eine Bemerkung zur Deklarierung bzw. Nichtdeklarierung dieses Kontos und Depots bei den Steuern. Für vorliegende Beziehung zur Bank ist das aber nicht von Belang. Es gibt auch andere als steuerliche Gründe, wenn ein Kunde „Banklagerung“ seiner Korrespondenz vereinbart und dafür eine hohe Gebührenbelastung in Kauf nimmt. Bei der nächsten Steuererklärung holen die Erben am besten das Versäumte nach. Sicher aber hat die Bank mit der faktischen Sperrung des vorliegenden Kontos korrekt gehandelt. Damit vermeidet sie eine mögliche Schadenersatzpflicht gegenüber potenziellen Miterben. Die Bank darf nämlich nicht zulassen, dass bevollmächtigte Personen über einen Nachlass verfügen, bevor die erbrechtlichen Ansprüche geklärt sind.

Wäre in vorliegender Vater/Tochter-Beziehung ein Gemeinschafts-Konto die bessere Lösung gewesen? Ich meine nein, denn auch da steht Eigentum eines Verstorbenen rechtlich vorerst allen Erben zu. Oder wäre eine vorzeitige Schenkung „bankentechnisch“ hier besser gewesen? Gewiss, aber das war nicht Ziel der Operation.

03.04.2016 | 6193 Aufrufe

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