Seit die Notenbanken die Nullzins-Währungspolitik praktizieren, herrscht Anlagenotstand in der westlichen Welt. Ein Blick auf aktuelle Anlageempfehlungen der Finanzindustrie zeigt: Es geht drunter und drüber!

von Maximilian Reimann

Eines ist vorweg klar: Alle waschen sie bloss mit Wasser, die Banken, die unabhängigen Finanzdienstleister, die Börsen-Gurus der Medien, ebenso wie auch der Schreibende. Und ebenso klar ist: Es war noch nie einfach, die Zukunft der Finanzmärkte vorherzusagen. Wäre dem so, dann wären wir ja alle reich. Aber noch selten war es so schwierig wie heute, Anlagetipps zu geben, die sicher und profitabel zum Ziel führen.

Staats- und erstklassige Unternehmensanleihen

Diese Empfehlung findet sich häufig. Aber unter dem Strich legt man drauf, wie folgende zwei Beispiele zeigen. Der 1,25 %-er der Eidgenossenschaft mit einer Laufzeit bis 11.06.2024 kostet rund 116 %. Das ergibt eine Negativrendite von 0,65 %, ohne Berücksichtigung von Courtage und Depotgebühr. Aber selbst CHF-Anleihen von Italien, Polen oder der Slovakei „rentieren“ negativ. Oder nehmen wir als Unternehmensanleihe die 2,25 % ABB mit Laufzeit bis 11.10.2021. Ihr Börsenkurs liegt bei 112 %. Auch das ergibt nach Abzug der Spesen eine Rendite von null. Die gleiche „Rendite“ erzielt man aber auch, wenn man nichts tut und liquid bleibt. Mit Fremdwährungsanleihen kann man hingegen noch auf positive Rendite kommen. Sichert man aber das Währungsrisiko ab, bleibt unter dem Strich meist auch nichts mehr.

Aktien, Strukis und Edelmetall

Bei Aktien scheiden sich die Geister ganz besonders. Viele Experten empfehlen solide Titel weiterhin zum Kauf, von wegen ihren sicheren Dividendenrenditen. Andere plädieren zum Verkauf, weil der Aktienanteil in vielen Depots zu gross geworden ist oder es generell zum Platzen der neu angestauten „Aktienblase“ kommen kann. Vertretbar halte ich den Kauf von strukturierten Barrier Reverse Convertibles, basierend auf ganzen Aktien-Indizes, wie etwa der AKB-Empfehlung für den 6,3 % Notenstein/Raiffeisen auf Indizes in CHF, mit hoher Barriere, Kurs um 100,75 % und Laufzeit bis 22.06.2017. Gegensätzlich geht es aber auch beim Edelmetall zu und her. So empfiehlt etwa der Schweizer Börsenguru Marc Faber den Kauf von Gold- und Silberminenaktien wie Barrick Gold oder Goldcorp., derweil der eben 86 Jahre alt gewordene US-Investor George Soros bereits wieder zum Ausstieg aus Gold-Investments rät. Ich selber halte den Kauf von spesengünstigen Gold-ETF’s wie etwa von ZKB oder UBS für vertretbar.

29.08.2016 | 7849 Aufrufe

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