Am 1. Juni 2017 wurden in der Schweiz 64'893 Leerwohnungen gezählt, das sind 1,47 Prozent des Gesamtwohnungsbestands (einschliesslich der Einfamilienhäuser). Im Vergleich zum Vorjahr standen damit 8'375 Wohnungen mehr leer, was einem Anstieg um knapp 15 Prozent entspricht. Dies geht aus der Leerwohnungszählung des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor.

BFS / red. 

Die Leerwohnungsziffer ist im achten Jahr in Folge angestiegen. In den letzten Jahren hat sich das Wachstum zunehmend beschleunigt.

Die Zahl der leer stehenden Wohnungen ist in allen sieben Grossregionen der Schweiz gestiegen. Das Tessin verzeichnete die grössten Veränderungen in Bezug auf die Leerwohnungsziffer, gefolgt vom Espace Mittelland. Die Region Zürich registrierte mit einer Leerwohnungsziffer von 0,90 Prozent die schwächste Zunahme.

Die Marke von 1 Prozent wurde in 19 Kantonen überschritten, das ist einer mehr (Schwyz) als im Vorjahr. Im Kantonsvergleich verzeichnete der Kanton Solothurn (2,89%) die schweizweit höchste Leerwohnungsziffer, gefolgt von den Kantonen Appenzell Innerrhoden (2,36%) und Aargau (2,34%). Wie im Vorjahr wurde die tiefste Ziffer im Kanton Zug registriert (0,43%). In den Kantonen Basel-Stadt (0,50%) und Genf (0,51%) war sie nur geringfügig höher.

Mehr leer stehende Einfamilienhäuser und Neuwohnungen

Am 1. Juni 2017 wurden in der Schweiz 6785 leer stehende Einfamilienhäuser gezählt. Das sind 262 Einheiten bzw. 4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der unbewohnten Neuwohnungen stieg innerhalb eines Jahres um markante 1'296 Einheiten bzw. nahezu 15 Prozent an. Insgesamt standen am Stichtag 10'064 Neuwohnungen leer.

Mehr zur Miete oder zum Kauf angebotene Leerwohnungen

Am 1. Juni 2017 waren in der Schweiz 53'327 Mietwohnungen unbewohnt. Im Vorjahresvergleich entspricht dies einem Anstieg von 7'823 Einheiten bzw. 17 Prozent. Solche Werte wurden zuletzt Ende der 1990er-Jahre beobachtet. Die Zahl der leer stehenden Eigentumswohnungen stieg innert Jahresfrist um 552 Einheiten auf 11'566 Wohnungen an (+5%).

Höhere Leerstände in allen Wohnungskategorien

Im Vergleich zum 1. Juni 2016 stieg der Leerwohnungsbestand in allen Wohnungskategorien (Anzahl Zimmer) an. Die Zunahme betrug zwischen 6 Prozent (Sechszimmerwohnungen) und knapp 19 Prozent (Zweizimmerwohnungen). Die meisten Leerwohnungen haben drei (20'820 Einheiten) bzw. vier Zimmer (19'317 Einheiten).

Tiefe Zinsen nur ein Teil der Erklärung

Plausibel erklären kann den stark steigenden Leerwohnungsbestand, insbesondere in den Kantonen Solothurn (Platz 1) und Aargau (Platz 3), niemand. Fakt ist: Es wird mehr Wohnfläche gebaut, als benötigt wird. Eine Erklärung für den trotzdem anhaltenden Bau-Boom sind die aktuell tiefen Zinsen. Institutionelle Anleger wie Pensionskassen bringen ihr Geld nicht mehr zur Bank, sondern investieren nach wie vor in Immobilien. Doch das ist eben nur ein Teil der Erklärung. Denn die Zinsen und Bedürfnisse der Pensionskassen sind in Zug, Genf oder Basel-Stadt (welche die tiefsten Leerwohnungsbestände aufweisen), die gleichen.

Staus machen Wohnen auf dem Land und Arbeiten in der Stadt unattraktiv

Es sind also andere Faktoren, die entscheiden, warum sich jemand gegen eine Wohnung im Solothurnischen oder Aargauischen entscheidet, dafür aber Zug oder Basel bevorzugt. Die Steuern spielen bei der Entscheidung wahrscheinlich mit eine Rolle. Entscheidender aber dürfte die Frage nach der Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes sein. Solothurn und Aargau büssen ein, weil die Autobahnen hier chronisch verstopft sind und man aus diesen Regionen mit dem PW kaum mehr innert nützlicher Frist nach Zürich, Basel oder Bern gelangen kann, respektive im Zug nicht selten stehen muss. Tendenz: Zunehmend. Also zieht man doch am besten gleich in die Nähe des Arbeitsplatzes. Das ist nachvollziehbar. 

 

Aktenzeichen "Stau" ungelöst (Archivbild von soaktuell.ch)

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