Die Schulen und Bildungsverantwortlichen in vielen Kantonen der Schweiz sind daran, die in den letzten zehn Jahren beschlossenen Bildungs-Reformen teilweise rückgängig zu machen, zu verschieben oder umfassend zu korrigieren. Die Kosten für die Schulen sind explodiert. Kein Schüler wurde dadurch besser. Neue Probleme wurden geschaffen. Kurz: Ein Misserfolg.

Roman Jäggi, Alt-Kantonsrat, Fulenbach

Ich leitete damals den Abstimmungskampf gegen HarmoS. Viele stimmten für HarmoS, weil sie sich einen problemloseren Kantonswechsel mit ihren schulpflichtigen Kindern erhofften. Die Erwartungen wurden bitter enttäuscht. Von einer landesweit einheitlichen Schule keine Spur. Jetzt versprechen die Befürworter des Lehrplans 21 wieder eine Harmonisierung. Doch die wird es nicht geben.

Wenn ein Kind in der fünften Klasse mit seinen Eltern aus dem Aargau in den Kanton Solothurn zieht, nützt auch der Lehrplan 21 nichts, weil es im Aargau zwei Jahre Englisch hatte, aber noch kein Französisch. Wir im Kanton Solothurn fangen ja mit Französisch in der dritten Klasse an und Englisch beginnt erst in der fünften Klasse.

Der Lehrplan 21 schafft zudem die Jahrgangsziele ab. Heute gibt es im Solothurner Lehrplan in der Regel verbindliche Jahresziele. Wenn man diese abschafft, kann es sein, dass beispielsweise Drittklässler nicht mehr nur von Kanton zu Kanton, sondern neu von Ort zu Ort einen anderen Wissensstand haben. Das ist auch die Idee hinter dem Lehrplan 21. «Kompetenzorientierung» heisst das Zauberwort. Jeder Schüler arbeitet an seinen eigenen Kompetenzen. Niemand hat mehr den Überblick über das Gesamte. Statt Harmonisierung gibts flächendeckendes Bildungschaos.

Deshalb stimme ich Ja zur Initiative «für eine gute Volksschule OHNE Lehrplan 21». Wir haben einen guten Lehrplan. Wir brauchen keinen neuen.

 

 

Roman Jäggi war als Kantonsrat Mitglied der kantonalen Bildungskommission und führte die Abstimmungskampagne gegen HarmoS im Kanton Solothurn.

03.04.2017 | 6250 Aufrufe

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