Die Internet-Zeitung soaktuell.ch hat an dieser Stelle schon oft prognostiziert, dass der Zeitungsinserate-Markt in den kommenden Jahren völlig zusammenbrechen werde. Nach markanten Einbrüchen in den vergangenen Jahren, beginnt 2017 nun der finale Absturz des Inseratemarkts. Die Halbjahreszahlen der Verlage senden deutliche Signale aus. Beispiel: Tamedia. Die Werbeeinnahmen sackten um 12 Prozent ab - in nur sechs Monaten. Damit reduzierte sich der Umsatz des Zürcher Medienkonzerns um 5,7 Prozent auf 475,1 Millionen Franken.

Tamedia / red.

Das Betriebsergebnis (EBIT) von Tamedia stieg hingegen von 61,3 auf 95,2 Millionen Franken, was einem Anstieg von 55,3 Prozent entspricht; beim Ergebnis beträgt der Anstieg 37,1 Prozent auf 76,6 Millionen Franken. Im ersten Halbjahr 2016 hatte es dem Konzern noch 55,8 Millionen Franken in die Kassen gespült. Den starken Ergebnisanstieg begründet Tamedia mehrheitlich mit dem «tieferen Vorsorgeaufwand nach IAS 19», wie es zu den Zahlen am Dienstagmorgen heisst, wobei auf Stufe Ebit die Zunahme «unter anderem auf tiefere Abschreibungen aufgrund einer verlängerten Nutzungsdauer der drei Druckzentren von Tamedia zurückzuführen» sei.

Das «normalisierte Ergebnis nach Steuern ohne Berücksichtigung von Sondereffekten», das Tamedia ebenfalls angibt, liege deshalb «fast auf dem Niveau des Vorjahres» mit 55,9 Millionen Franken, was einem Minus von 2,5 Prozent entspricht.

Im publizistischen Geschäftsfeld, insbesondere bei den Bezahlmedien, musste Tamedia deutlich Federn lassen: Sowohl Umsatz (-7,4 Prozent) als auch EBITDA (-20,8 Prozent) gingen zurück. Bei den Pendlermedien (20-Minuten-Gruppe) reduzierte sich der Umsatz noch deutlicher (-9,6 Prozent), während der EBITDA stabil blieb (+0,2 Prozent).

Werbefranken wandern ab

Die tieferen Umsätze im Kerngeschäft konnten mit dem Digitalgeschäft (+0,2 Prozent), wozu Marktplätze und Beteiligungen gehören, nicht kompensiert werden. Trotz stagnierendem Umsatz steigerte der EBITDA von 44,9 auf 47,6 Millionen Franken (+6 Prozent). «Insbesondere die JobCloud AG sowie das Immobilienportal homegate.ch entwickelten sich erfreulich und bauten ihr Ergebnis deutlich aus», so Verleger Pietro Supino und CEO Christoph Tonini zu den Aktionären.

Damit zeigt sich, dass selbst die grössten Verlage noch immer nicht in der Lage sind, die Werbefranken, die im Inseratebereich verloren gehen, im digitalen Markt aufzufangen. Und wenn es die grossen nicht schaffen, dann können es die mittelgrossen Verlage erst recht nicht.

Ausländische Anbieter und kleine Schweizer Medien profitieren

Viele Unternehmen und KMU verlagern ihre Inseratebudgets ins Internet und werben künftig bei Google, Facebook, anderen Social Media Plattformen oder bei Grossanbietern wie Amazon.

In der Branche wird auch festgestellt, dass ehemalige Inseratebudgets in "paied Content" oder "Advertorials" im Internet investiert werden. Zeitungsinserate schaut kaum mehr jemand an.

Von bezahltem Inhalt im Internet (mit Backlinks für die bessere Platzierung bei Suchmaschinen) profitieren dann aber nicht mehr nur die bekannten Verlagshäuser, sondern zunehmend auch kleine Online-Portale und Blogs in der Schweiz. Für die grossen Verlage ist diese Tendenz schlecht, für die Medien- und Meinungsvielfalt hingegen gut. Denn die kleinen Anbieter melden allesamt steigende Einnahmen im Bereich des bezahlten Inhalts.

Der Wandel lässt sich nicht mehr aufhalten

Es mag sein, dass in den nächsten Jahren Zeitungen verschwinden, aber die steigenden Umsätze bei kleinen News-Portalen und sogar bei Blogs in der Schweiz tun der Medienvielfalt gut. Das Geld macht die ganze Branche wieder etwas breiter, fördert die Qualität "der Kleinen" und sichert deren Überleben.

Während die grossen Verlage unter dem Wandel ächzen und mit dem Inserateeinbruch kaum fertig werden können, entsteht im Land eine neue, sehr breite und weitgehend unabhängige Medienlandschaft im Internet. 

Das ist eine der schönsten und hoffnungsvollsten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in der Medienlandschaft Schweiz. 

 

Archivbild von soaktuell.ch

Kommentare

Avatar
Sicherheitscode