Zwei Jahre nachdem die beiden deutschen Tierschutzorganisationen Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) und ProWal begonnen hatten, etliche Mängel und Todesfälle im Delfinarium des Vergnügungsparks Connyland in Lipperswil zu kritisieren, fan gestern Sonntag  die letzte Delfin-Show in der Schweiz statt. Der Schließung des Delfinariums waren etliche Skandale vorausgegangen.

(mgt)

Im Connyland werden keine Shows mit Delphinen mehr durchgeführt (Foto: wfd/zvg)

Nachdem innerhalb weniger Tage im November 2011 zwei Delfine starben, prangerten die beiden Tierschutzorganisationen „katastrophale Haltungsbedingungen“ im Connyland-Park an. Innerhalb von drei Jahren fanden insgesamt sechs Delfine ihren Tod - rund 30 seit Bestehen des Delfinariums. Das WDSF und ProWal konnten eine Parlamentarierin des Schweizer Nationalrats überzeugen, einen Regierungsantrag zu einem vollständigen Importverbot von Delfinen einzubringen. National- und Ständerat folgten dem Antrag im Frühjahr 2012. Die Tierschützer hatten dem Nationalrat zuvor interne medizinische Berichte eines Ex-Delfintrainers aus der Delfinanlage vorgelegt, aus der sich hohe Gaben von Antibiotikum und anderer Medikamente ergaben. Auch der Lärm einer benachbarten Diskothek wurde angeprangert.
 
Connyland-Geschäftsführer und Pressesprecher Erich Brandenberger behauptete, dass die Tierschützer die Delfine vergiftet hätten, um das Delfinarium schließen zu lassen und handelte sich mit dieser starken Behauptung eine Strafanzeige des WDSF ein, über die noch nicht entschieden ist. Umgekehrt wehrte sich das Connyland mit einer Klage gegen das WDSF und ProWal aufgrund der Wortwahl „Tierquälerei“ zu einem Zeitpunkt, als noch eine weitere Strafanzeige einer Schweizer Tierschutzorganisation gegen die Connyland-Verantwortlichen anhängig war. Gerichtspräsident Urs Haubensack verurteilte per Gerichtsbeschluss das WDSF und ProWal wegen einer Persönlichkeitsverletzung, weil man zwar durchaus die Delfinhaltung kritisieren dürfe aber eben solange nicht, wie ein Verfahren wegen Tierquälerei noch anhängig sei.
 
Die Staatsanwaltschaft hatte aufgrund einer Autopsie durch die Uni Zürich für die beiden verstorbenen Delfine feststellen lassen, dass diese eindeutig an einer Anitbiotikumvergiftung, veranlasst durch falsche Medikamentierung, gestorben sind und nicht an einer etwaigen Vergiftung durch Tierschützer. Gegen den verantwortlichen Connyland-Tierarzt erging ein Strafbefehl wegen Tierquälerei.
 
Heute dürfte das WDSF wohl von „Tierquälerei“ sprechen, aber der WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller setzt andere Prioritäten und sagt: „Wir sind froh, das wir wieder einmal Teil der Ursache einer Delfinarienschließung sind. Durch das Importverbot bleibt es vielen Wildfängen und Nachzuchten erspart, den Rest ihres Lebens ihr Dasein in trister Gefangenschaft zu verbringen. Bereits im letzten Jahr hatten wir dem Connyland vorgeschlagen, die drei verbliebenen Meeressäuger in einer menschenbetreuten Meeresbucht unterzubringen, damit sie wenigstens für den Rest ihres Lebens ein würdiges Dasein führen können.“
 
Über den Verbleib der Tiere schweigt Erich Brandenberger allerdings beharrlich, weil er nach eigener Aussage von Tierschützern bedroht worden sei. Ortmüller: „Von unsere Seite ist das natürlich Blödsinn und stellt sich mal wieder als Schutzbehauptung dar, weil das Connyland vermutlich Angst hat, dass die Tiere bei einem unsachgemäßen Transport verletzt werden könnten. Dann sind wahrscheinlich wieder die Tierschützer Schuld.“

21.10.2013 | 2043 Aufrufe

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