Ein schlimmer Fall von Cyber-Mobbing erschüttert derzeit die Schweiz. Ein Jugendlicher postete ein Sexvideo seiner Exfreundin auf Facebook. In kürzester Zeit verbreitete sich das Video, auch auf den Facebook-Seiten von Unternehmen wurde darauf hingewiesen. Die Kinder- und Jugendorganisation Pro Juventute fordert dringend eine drei-Massnahmen-Strategie: Integration von Medienkompetenz in die Lehrpläne, Unterstützung der Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe und Sensibilisierung und Hilfestellungen für Jugendliche. Pro Juventute führt aktuell die Sensibilisierungskampagne 'Stopp Cyber-Mobbing' durch. Diese wurde entwickelt aufgrund des grossen Bedürfnisses der Jugendlichen, Lehrer und Eltern nach Hilfe zum Thema Medien und Cyber-Mobbing.

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Foto: zvg.

«Ich bin tief betroffen von diesem extremen Fall von Cyber-Mobbing», sagt Pro Juventute Direktor Stephan Oetiker. Cyber-Mobbing könne im Gegensatz zum normalen Mobbing enorme Ausmasse annehmen: Mit einem Klick können in Sekundenschnelle Opfer schwer geschädigt werden, und die ganze Schweiz bekommt es mit. «Das zeigt die Dringlichkeit von Sensibilisierungskampagnen», sagt Oetiker. «Solche Fälle gilt es in Zukunft dringendst zu vermeiden.»

Integration in Lehrplan, Unterstützung der Eltern und Sensibilisierung der Jugendlichen

Die Stiftung fordert daher eine Drei-Massnahmen-Strategie: die Integration von Medienkompetenz in die Lehrpläne, vermehrte Unterstützung der Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe und Sensibilisierung und Hilfestellungen für die Jugendlichen.

«Medienkompetenz ist heute eine Fertigkeit wie Lesen und Schreiben und muss ein eigenes Schulfach werden», sagt Oetiker. Zusammen mit Politikern und Botschaftern der Stiftung setzt sich Pro Juventute daher für die Vermittlung der Medienkompetenz an Schulen ein. Gleichzeitig fordert die Stiftung, dass Eltern vermehrt in ihren Erziehungsaufgaben zum Thema neue Medien unterstützt. «Heute ist keiner von uns Eltern mit Medien aufgewachsen. Wir kennen das schlicht nicht.» Eltern brauchen daher Unterstützung, wie sie ihren Kindern den Umgang mit Medien beibringen können. Deshalb gebe es bei den neu lancierten Schulworkshops Pro Juventute Medienprofis auch Elternabende. Im Eltern Club Schweiz finden Eltern zudem Fachbeiträge oder direkt Beratung per 24-Stunden-Hotline. Schwerpunkt der Pro Juventute Workshops ist seit diesem Schuljahr Cyber-Mobbing. Die Umfragen bei Lehrpersonen zeigten: Lehrmodule zum Thema Cyber-Mobbing sind die dringlichsten Bedürfnisse beim Umgang mit neuen Medien. Neben den Eltern und Schulen fordert die Stiftung aber auch, direkt bei den Jugendlichen anzusetzen. Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern sollen wissen, wo sie sich sofort Hilfe holen können, und Täter sollen wissen, dass ihr Tun ernstzunehmen ist und strafbar sein kann.

Die landesweite aktuell laufende Sensibilisierungskampagne 'Stopp Cyber-Mobbing' will erreichen, dass die Bevölkerung zum Thema sensibilisiert wird und dieses ernst nimmt. So haben bei dem krassen Fall des Sexvideos viele Facebook-User mögliche Namen der Opfer gepostet und so Opfer und Unbeteiligte ebenfalls massiv geschädigt. «Dass den Usern nicht bewusst war oder sie in Kauf nahmen, dass sie mit dem Posten von Namen zu einem Sexvideo bei dem Cyber-Mobbing mitmachen, zeigt die Dringlichkeit der Sensibilisierung», sagt Oetiker. Pro Juventute hat daher ihre Kampagne ausgeweitet und informiert Jugendliche derzeit auch über Radiospots in Jugendradios. Mit der Kampagne sollen Kinder und Jugendliche auch erfahren, dass sie bei der Notrufnummer 147 Hilfe erhalten, und wie sie sich schützen können.

06.12.2012 | 2459 Aufrufe

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